Wales - Spanien 1:4 (0:3)

Testspiel

11.10.18

Principality Stadium (74.500)

Zuschauer: 50.232

      Eintritt: 20£



Seit 2011 hat die walisische Nationalmannschaft kein Spiel mehr im Principipality Stadium absolviert. Streng genommen sogar noch gar keins, denn damals hieß das 12. größte Stadion Europas noch Milennium Stadium, als man gegen die verhassten Engländer antreten musste.
Da die Verantwortlichen sich einen hohen Zuschauerandrang erhofften und diesen mit Spottpreisen zu je 20£ pro Nase auch nochmal gut anheizten, zog man für den heutigen Test gegen Spanien aus der Festung Cardiff City Stadium ins bei den Fans unbeliebte Nationalstadion.
1999 eröffnet, wurde das 74.500 fassende Monster vornehmlich für Rugby genutzt und war zur Eröffnung sogar das größte Stadion Großbritanniens, diesen Status musste man aber inzwischen an die beiden Londoner Grounds Wembley und Twickenham abtreten.
Für mich stand dennoch fest wo es an diesem Länderspielwochenende hingehen sollte und Thilo und Thorsten waren ebenfalls schnell motiviert. Der Klassiker Bremen - Stansted dann mit 14€ nur 50 Cent teurer als mein Anteil am NDS-Ticket von Osna nach Bremen...
Die Karten waren schnell und easy online über den Verband zu erwerben und während sich die beiden entschieden bereits in der Nacht über Stansted zurück nach Deutschland zu fliegen, buchte ich die Verbindung Cardiff - Düsseldorf erst für den Samstag und erhoffte mir noch ein Ligaspiel anzusehen.
2 Wochen vor Abflug musste Thorsten aus privaten Gründen leider absagen und so trafen Thilo und ich uns bereits am späten Mittwochabend am Hauptbahnhof um den Weg in die Hansestadt anzutreten. Die ersten 5,0er Dosen wurden runtergespült und einige Geschichten ausgetauscht, ehe wir noch etwas RTL II live am Bremer Hbf sehen konnten, welcher für mich nach Essen zu den asozialsten der Bundesrepublik gehört. Mit der Straßenbahn ging es Richtung city airport und im Chriss Flyer-Style wurde sich auf den Liegen im Gebäude lang gemacht und ein paar Stunden gepennt, ehe das Gewusel um 5 Uhr zu laut wurde und wir uns langsam zum Security-Check aufmachten.
Hier mal wieder ein Kollege der Marke ABM (Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme), der mich rauszog und bat meinen Rucksack zur zweiten Kontrolle zu öffnen. Nun zeigte er auf meine Jacke und das folgende kurzweilige Gespräch kam dabei heraus:
Bulle: "Was ist das? Eine Jacke?!"
Ich: "Ja, das ist eine Jacke."
Bulle: "Ok, das wäre es dann."
Sinn?!
Nun ab zum Terminal B, dem Ryanair-Terminal, welches inzwischen noch mehr aussieht, wie ein Baumarkt, der in 3 Monaten öffnen möchte. Ein Schild vor dem Terminalwechsel sagt quasi: "Sind Sie sicher, dass sie schon zum Terminal B wollen? Terminal A ist viel schöner! Terminal B hat quasi gar nichts!"
Zumindest hat Terminal B eine Anzeige, welche uns verrät, dass unser Flug 4 Stunden Verspätung hat. Da lacht ja Michael O'Leary und nichtmal der. Verspätung mit Ryanair hatte ich so auch noch nicht und nach kurzem Ärgernis über die hier sinnlos verschwendete Zeit, leuchteten bereits wieder die Dollar-Zeichen in unseren gierigen Augen, sollte es für diesen Faux-Pas doch 250€ Entschädigung geben. Bei einem Einsatz von 14€ eine gute Quote von ca. 1:18. Laut Info von der unterbezahlten Sprecherin kam der Flieger aus Stansted die letzen Tage immer zu spät, wir hätten Glück nicht gestern geflogen zu sein, da waren es 10 Stunden!
Damit wäre das Länderspiel wohl für uns gelaufen, aber so fanden wir mit etwas finanziellem Mehraufwand doch noch eine passende Route um pünktlich in Cardiff aufzuschlagen. Nachdem wir draußen unsere Voucher für Essen einlösten, kam ein vielfaches Deja Vu mit erneuter Sicherheitskontrolle und langem Dösen auf irgendwelchen Bänken, herablassende Blicke natürlich inklusive.
10:50 ging es dann endlich mal los mit dem Harfenbomber und gegen 11:30 waren wir in Stansted, wo für uns ein kleiner Wettlauf gegen die Zeit startete.
Passkontrolle- Stansted Express zur Liverpool Street - Tube zur Paddington Station - Abfahrt Zug nach Cardiff. Heute meinte es der Hoppinggott gut mit uns und wir waren just-in-time und der Zug konnte pünktlich mit uns an Bord losrollen.
Unser Essen konnten wir uns ohne Hemmungen in den Schlund schieben, hatte hier doch eigentlich jeder ein schwieriges Sandwich oder eine Packung Chips am Start.
Um 15:30 waren wir dann da, genauso als hätten wir den vorher gebuchten Bus pünktlich bekommen, nur halt bald ein paar Taler reicher.
Meine Bude, Austin's Guesthouse, war schnell erreicht und für schmale 30€ bekam ich hier zwar keine Rezeption, dafür eine SMS mit Zimmernummer und PIN, was auch ohne Probleme klappte. Das Gemeinschaftsbad war wohl das Beste was ich je hatte und somit konnten wir beide erstmal ne Dusche nehmen und den Schweiß der bisherigen Tour abwaschen, ehe es 300 Meter zum Cardiff Castle ging. Jo, das Austin's ist nicht nur super gut, sondern auch super zentral und so konnte ich aus meinem Zimmer direkt auf den heutigen Spielort schauen.
Wir latzten die fälligen 13£ Eintritt und waren neben ein paar Spaniern die einzigen Besucher in der Burg. Vom obersten Aussichtspunkt hat man zudem einen top Blick auf das Nationalstadion und somit hatten wir auch langsam Bock auf Fussball. Da die Tickets aufgrund des hohen Portos nicht per Post den Weg zu mir fanden, durften wir diese im Ticket Office abholen, welches sich direkt über dem Fanshop der Welsh Rugby Union befindet.
Ohne Probleme erhielten wir unsere 3 Karten und als ich direkt am Ausgang einfach mal "Tickets!" rief, sprang uns ein gleichaltriger Asiate förmlich an und kaufte uns eine Karte für ab.
Die Zusatzpounds mussten zwangsläufig in Bier investiert werden und so wurde der direkt am Ground liegende Tiny Rebel Pub angesteuert. Nachdem der erste Cider und ein Burger bestellt waren, wurden wir auch schon angesprochen ob wir Deutsche seien.
Der etwa 50-jährige Steven konnte kaum glauben, dass wir für das Spiel angereist sind und teilte diesen Fakt quasi jedem Bekannten in seiner Stammkneipe mit. So fand sich eine lustige Runde aus 2 Kartoffeln und 5 Walisern zum lockeren Pre-Game-Suff ein und wir wurden genötigt gleich 2-3 Cwtch (gesprochen: Cuutsch) zu trinken, ein Red Ale, was Thilo und meine Geschmacksknospen leider überhaupt nicht traf. Aber wir waren eingeladen und zu Gast in Wales, also traf Steven mit seiner Aussage: "Wenn ich in Deutschland bin saufe ich euer Bier, aber hier sind wir in Wales und wir saufen jetzt Cwtch!" den Nagel auf den Kopf. Eine gute Stunde vor Kick-Off ging dann jeder seiner Wege zum jeweiligen Gate und wir hatten einen guten Eindruck der walisischen Gastfreundschaft erhalten, cheers lads!
Steven hatte mit größeren Security-Checks nicht zu viel versprochen, Metalldetektoren waren im Einsatz, lief aber eigentlich ganz schnittig das Prozedere, so dass wir mit einer halben Stunde Puffer den Ground betraten. Die inzwischen von einer Bausparkasse gesponserten Bude hat es schon in sich und ist auch von innen wuchtig und für dieses Land viel zu groß. In der Renovierungsphase des Wembley-Stadiums wurde hier von 2001-2006 das Finale des FA-Cups ausgetragen, zudem das Champions-League-Finale 2016/2017, ansonsten wurde es für Fussball wie bereits erwähnt fast nie genutzt.
Für mich war es heute Abend übrigens mein erstes Spiel unter geschlossenem Dach, erhielt die Schüssel doch als zweite in Europa überhaupt die Turnhallenoption.
Die Stimmung anheizen sollte das hier (außer bei der Hymne) aber nicht, sorgte Spanien doch schnell für klare Verhältnisse, wobei der formstarke Paco Alcacer natürlich einen Doppelpack zusteuerte.
Da wir uns vor Anpfiff im Korridor (auf den Plätzen natürlich striktes Alkoholverbot) noch ein Pint Strongbow reinschraubten und das Bett jetzt auch fast 40 Stunden nicht gesehen hatten, war die Lampe jetzt gut an und ich musste gegen den sleepingingrounds.com Bericht ankämpfen. Klar spielte Spanien einen guten Ball, aber das Spiel war zur Pause quasi entschieden und das Publikum sprang auch nur einmal kurz auf, als Vokes kurz vor Abpfiff auf 1:4 stellte.
Die Müdigkeit trieb uns statt in den nächsten Pub jetzt also eher Richtung Butze und da Thilo bereits um 02:00 nachts den Bus Richtung Stansted nehmen musste, machte er es sich in meinem Einzelzimmer noch 2 Stunden auf dem Boden "bequem". Lights out, aber Länderpunkt 46