UMF Njardvík - ÍR Reykjavík 1:1 (1:0)

Inkasso-deildin (2. Liga Island)

23.08.18

Njarðtaksvöllurinn (3.000)

Zuschauer: 200 (15 Gäste)

   Eintritt: 1.000 ISK (8€)



Der Montag startete erstmal wieder mit Autofahren, zunächst ging es zum Fjadrargljufur Canyon, wo sich der Fluss eindrucksvoll seinen Weg durch die Felsen bahnt und man mit seinem kleinen VW Up! nur mit Mühe und Not überhaupt den Parkplatz erreicht.

Von hier war es noch etwa eine Stunde Fahrt nach Vík í Mýrdal, ein 326-Seelen-Kaff, welches gleichzeitig aber Knotenpunkt des Südens ist. Hier trifft sich alles was auf der Ringstraße unterwegs ist um in der neuen Mall und dem Supermarkt ordentlich Kronen rauszuballern. Besser man ballert selbst noch ein paar Kilometer westwärts und fährt zum Dyrholaey, einem 115 Meter aufragenden Kap an der Küste, welches einen beeindruckenden Blick auf´s Meer bietet und einen Leuchtturm beherbergt. Wer kein 4x4 hat, so wie die armen Deutschen, darf sich zu Fuß nach oben bequemen und kann Buckelwale in der Bucht und Papageientaucher (Puffins) an den Felsen sehen.

Nun hatte ich aber mal wieder Bock auf Islands heiße Quellen, welche es hier naturgemäß dooferweise im Süden gar nicht gibt.

Also ab in ein "Sundlaug" (deutsch: Schwimmbad), welches für den Realpreis von 5€ drei heiße Pools in unterschiedlichen Temperaturen (35, 37 und 41 Grad), sowie eine Sauna bereithält. Und jetzt soll mir noch einer sagen Island wäre teuer....

Der Bumerang-Effekt kam dann aber beim Abendessen, denn der GSKR-Modus musste zwangsläufig wieder Einzug in die Reiseaktivitäten erhalten. So wurde im örtlichen Restaurant Sudur Vik das beste Lammfilet des Planeten gegessen und man merkte einfach, wie das Filet im Mund schmolz. Das 10€ teure Bier fällt dann auch nicht mehr ins Gewicht.

Suff in Island ist sowieso schweineteuer, sofern man nicht wie andere Hopper palettenweise Dosen als Aufgabegepäck mit dabei hat und begründet sich vor allem darin, dass auf die normale Mehrwertsteuer zusätzlich noch eine satte Alkoholsteuer drauf geschlagen wird. Kauft man Alkohol bei Abreise im Duty-Free zahlt man den selben Preis für ein ganzes Six-Pack.

Auch im Supermarkt bekommt man keine Getränke oberhalb von 2,25% und muss dafür in eine Vínbúðin gehen, wo der Stoff exklusiv verkauft wird.

Am Dienstag begaben wir uns dann auf einen ausgedehnten Strandspaziergang zu einem abgestürtzten Flugzeug. Die US Navy Maschine war hier 1973 aufgrund eines leeren Tanks "gelandet" und liegt seitdem nah am Wasser. Auf unserem Weg mussten wir noch zwei Chinesen erklären wie man am besten einen Fluss überquert, die beiden wirkten doch arg hilflos...

Das erste Naturschwimmbad Islands Seljavallalaug wurde dann nur für ein paar Fotos beehrt, im siffigen Wasser, welches nur einmal im Jahr gereinigt wird, wollten wir dann doch lieber nicht schwimmen und überließen dem Back(-terien)packervolk ausnahmsweise das Feld.

Wo wir gerade von ihnen sprechen...

Quasi überall an der Ringstraße stehen diese Parasiten der Straße und halten ihren Daumen oben um kostenfrei, bei irgendwelchen Leuten durch das Land zu kommen und ihre 3,50 großen Rucksäcke in dein Auto zu werfen.

Andersrum haben wir viele Fahrradfahrer gesehen, die das Land nur mit dem Rad umfahren und dafür meinen vollsten Respekt erhalten, im Gegensatz zu diesen ungewaschenen Hippies, die hier versuchen ohne jede Krone "zu sich selbst zu finden."

Mit dem Skogafoss wurde der gefühlte 739. Wasserfall besichtigt und die Luft für dieses Naturspektakel war langsam raus. Mit einem fetten Regenbogen direkt davor, war er trotzdem ein nettes Fotomotiv und ist aufgrund der direkten Nähe zur Ringstraße Pflicht.

Der letzte Campingplatz der Reise war direkt neben dem Gljufrabui und dem Seljalandsfoss gelegen und man konnte zum Geräusch der Wasserfälle wunderbar wegpennen, ehe am Mittwoch nochmal ein Tagesausflug eingebaut wurde.

Für 20€ return p.P. sollte es mit der Fähre auf die Westmännerinseln gehen, welche nur knapp 10 Kilometer vor der Küste liegen.

Diese Inselgruppe vulkanischen Ursprungs bietet etwa 4.292 Einwohnern Platz und ist locker zu Fuß zu erkunden, also spart euch die Kronen für eure Karre lieber.

Auf der Hauptinsel Heimaey besuchten wir das Aquarium inkl. Aufzuchstation für Papageientaucher, das weltklasse und zudem günstige Fischrestaurant Fiskibuddin und auch kurz den Ground des Íþróttabandalag Vestmannaeyja, dem örtlichen Fussballverein, welcher in dieser Saison dank Pokalsieg zuletzt sogar wieder europäisch vertreten war, in Runde 2 aber gleich gegen Sarpsborg 08 FF mit 0:6 Toren nach Hin- und Rückspiel wieder ausschied.

Die wahre Schönheit der Insel ist aber wieder überall in diesem Land die Natur und damit besonders die Steilküste, welche unendlich viele verschiedene Vögel beherbergt.

Im Museum Eldheimar erfuhren wir zum Abschluss dann noch etwas über den Vulkanausbruch von 1973, wobei die gesamte Hauptinsel mitten in der Nacht evakuiert werden musste und die Einwohner nur dank der aufgrund eines Unwetters im Hafen gebliebenen Fischerboote gerettet werden konnten. 1/3 der Einwohner sind bis heute nicht in ihre Heimat zurückgekehrt...

Nachdem ich am Donnerstag meine Freundin noch zum Arbeitsplatz für die kommenden drei Monate brachte, fuhr ich nochmal nach Reykjavík rein um bei strahlendem Sonnenschein noch etwas mehr von der Stadt zu sehen. Besonders das Hafenviertel hatte ich hier am ersten Tag definitiv verpasst und legte mich zum Abschluss einfach in die Sonne und genoss einen guten Lammkebab.

 

Von hier ging es dann nach Reykjanesbær zum letzten Spiel in Island, wo man nochmal Eintritt berappen durfte.

Dafür gab es in der Kantine gratis Kaffee und Kuchen und eine kleine Tribüne.

Die immerhin 200 Zuschauer waren sich ihrer Sache bis kurz vor Schluss sicher als der Gast aus der Haupstadt noch den Ausgleich markierte. Das alles in der zweiten Liga mit dem klangvollen Namen Inkasso-deildin, wo man wie wohl überall auf der Welt natürlich nicht der einzige Hopperheinz auf. Gleich fünf Chemnitzer machten kurz vor Abpfiff ihre Platzrunde und zückten Handys und Kameras und ich freute mich nicht der einzige Bekloppte zu sein :-)

Nach 3 Spielen bleibt festzuhalten: Ligafussball in Island hat nicht ansatzweise das Niveau der Nationalmannschaft. Es gibt so gut wie keinen Support, mittelmäßige Stadionverpflegung und kaum große Stadien. Dafür manche Plätze mit atemberaubendem Panorama und einen neuen Länderpunkt.

Nachdem ich bei freiem W-LAN und unendlichen Freigetränken bis 00:00 im Subway rumdaddelte hieß es sich im Auto noch kurz hinzuhauen, ehe auch schon der Shuttle von Fair Car zum Flughafen abfuhr. Hier dann das absolute Chaos, denn diese Touristenmassen kann das kleine Land einfach gar nicht schaffen...

Mit der guten Icelandair wurde dann mittags wieder Hamburg erreicht und der Urlaub war leider schon wieder vorbei.

Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass Island absolut genial ist, wenn man Interesse an Natur hat.

Sollte das Geld aktuell knapp sein, könnte einem der Spaß hier aber ganz schnell vergehen, von daher wartet lieber bis Geld nicht mehr das Wichtigste ist, nehmt die paar Kronen in die Hand und fahrt einmal um dieses Land, es lohnt sich, versprochen!