SV Waldhof Mannheim - KFC Uerdingen 1:2 (1:2) - Spielabbruch

Relegation zur 3. Liga

27.05.18

Carl-Benz-Stadion (25.667)

Zuschauer: 25.667 (3.500 Gäste)

   Eintritt: 13,50€

Meister müssen aufsteigen! - Eine elementare Forderung der deutschen Fankultur, doch leider noch nicht Realität.

 

Daher streiten sich auch dieses Jahr 6 Vereine um den Aufstieg in die 3. Liga um dem Nadelöhr Regionalliga endlich zu entkommen.

Ein Verein, Waldhof Mannheim versucht als Zweiplatzierter der Südweststaffel sein Glück und das gleich mal zum 3. Mal in Folge.

Der ehemalige Bundesligist und Traditionsverein scheiterte in den vergangenen zwei Jahren in den Aufstiegsspielen ohne dabei ein einziges Tor zu erzielen.

 

Und auch im Hinspiel gegen den heutigen Gegner KFC Uerdingen (noch so ein Old-School-Bundesligist) gab es keinen Treffer zu bejubeln.

Das 0:1 musste nun also in Mannheim vor ausverkauftem Haus umgebogen werden und die zugehörigen Tickets waren schneller vergriffen, als ein Paar Nikes auf dem Grabbeltisch.

Im Onlineshop wurden von Marco somit leider nur noch Karten für den Stehplatzbereich ergattert und dabei musste er auch noch einen Tag vor Abfahrt krankheitsbedingt absagen.

Zu viert ging es somit am Sonntagmorgen nach Mannheim und das Spiel versprach bereits vor Beginn hitzig zu werden.

 

Nachdem ich das Auto auf dem Parkplatz nah am Carl-Benz-Stadion für lau abstellen konnte, ging es inkognito Richtung Haupteingang, wo alle Besucher des Heimbereichs durchgeschleust werden. Bei dem heutigen Spiel war natürlich mit viel Hopperpöbel zu rechnen und da Mannheim und die anwesenden Freunde aus Frankfurt nicht irgendwelche Bumsszenen sind, sollte man das Spektakel mit Vorsicht genießen.

Am Eingang teilten wir uns auf und ich hatte mit stinknormalen Klamotten überhaupt keine Probleme und schlängelte mich an den zahlreichen Choreokassen vorbei. Marcel war allerdings plötzlich nicht mehr zu sehen und Ilka teilte mir kurz darauf mit, dass er direkt am Eingang an der Hopperkasse scheiterte und wieder nach draußen gebeten wurde.

Die etwas zu fussballlastige Kleidungsauswahl machte ihm wohl einen Strich durch die Rechnung und die von der Szene aufgerufenen 30€ war er nicht bereit zu zahlen.

 

Hinter der Heimkurve entlang ging es nun zu den Plätzen im Block O, welcher in etwa so wie der Affenfelsen in Osnabrück liegt und auch eher Normalo-Publikum und etliche Hopper beherbergte, wie die Bildwinkel auf diversen Hoppingseiten später zeigten.

Nachdem brav 1€ in die Choreokasse wanderte, ging es dann auch rein in das 1994 eröffnete Carl-Benz-Stadion.

Schon weit vor Abpfiff war das Stadion ordentlich gefüllt und die verteilten Pappen ließen die Vorfreude auf eine große Choreo natürlich steigen.

Das Stadion ist ein reines Fussballstadion und daher gemacht für gute Atmosphäre, ansonsten aber kein Kracher, dennoch eines der größten 50 Stadien in Deutschland.

 

Kracher gab es dann bereits vor dem Anpfiff in beiden Blöcken, wo einige Böller detonierten, was auch von Marcel verfolgt werden konnte, welcher sich inzwischen wieder ins Stadion gemogelt hatte.

 

Zu Spielbeginn wurden im Gästeblock rote und blaue Ponchos verteilt, während im K-Block die erwartete Choreo hochgezogen wurde.

Unter einem Friedhof und den verteilten schwarzen Papptafeln konnte man lesen "Schon tausend Mal für tot erklärt...." während schwarzer Rauch aus dem Block kam.

Mit dem Wenden auf die blaue Pappseite tauchte dann ein Zombie aus den Gräbern auf und der Text änderte sich auf "Doch heute werdet ihr eines besseren belehrt!" nun mit blauem Rauch untermalt.

Eine zum Anlass passende, optisch ansprechende Choreo, auch wenn die Durchführung leider nicht ganz sauber ablief und viele Pappen zu früh oben und zu schnell wieder unten waren.

Die Atmosphäre kochte und die Stimmung war genial, während sich die Mannschaften auf dem Platz keinen Meter schenkten und besonders die Krefelder ordentlich austeilten.

Nach dem 0:1 eiferten die mitgereisten Fans der Mannschaft nach und es kam zum kurzen Schlagabtausch im Nebenblock des Gästebereichs, was einige Mannheimer zum überklettern einiger Blöcke bewegte.

Die Polizia war dann aber da und sorgte für ein vorzeitiges Ende der Auseinandersetzungen.

Dem Ausgleich gingen nur 7 Minuten Hoffnung nach, denn dann fiel bereits wieder das 1:2 und die Stimmung drohte bereits zu kippen.

In der 82. Minute war es dann letztendlich soweit und die Szene der Mannheimer begann nach dem Abhängen sämtlicher Zaunfahnen den Spielabbruch zu provozieren.

Kleine Brände in der Kurve, zahlreiche Feuerwerkskörper flogen auf das Spielfeld und nach einer bereits 20-minütigen Unterbrechung passierte das einzig Richtige: Spielabbruch.

Die Enttäuschung nach nunmehr dreimaligem Scheitern in dem Nadelöhr Relegation verwandelte sich nun in pure Wut und wird in Mannheim weitreichende interne, aber auch externe Strafen nach sich ziehen.

Wie man zu diesem Thema steht darf man gerne diskutieren, was allerdings außer Diskussion steht sind die Vorfälle auf dem Parkplatz nach Abpfiff.

Die 4 Hopper aus Osnabrück waren hier nicht das Ziel einiger Mannheimer, sondern eher vereinzelte Uerdinger Normalos auf dem Weg zu ihren (zugegeben unglücklich) geparkten Autos.

Das Jagen von Fans gibt hier für mich aber nicht den Ausschlag, sondern die Rufe "Lauft nur ihr Juden!" lassen mich einfach nur mit dem Kopf schütteln.

Traurig dass es das noch immer in Deutschland gibt, egal in welcher Region man sich aufhält...

 

Mit ordentlich gefülltem Adrenalintank und einem der wohl hitzigsten Spiele der Saison ging es wieder nach Hause und in der nächsten Saison (vielleicht) zum KFC, auch neben dem 18er Bucket Hot Wings versteht sich...