Standard Liège - KAA Gent 3:2 (1:1)

Eerste Klasse A (1. Liga Belgien)

27.07.18

Stade Maurice Dufrasne (27.670)

Zuschauer: 21.169 (800 Gäste)

   Eintritt: 34€



Bei Temperaturen knapp unter der 40 Grad Marke und damit Gegebenheiten, wie auf der arabischen Halbinsel machten uns Sven und ich diesen Freitag auf nach Liège (Lüttich).

Nach gefühlten Ewigkeiten ohne vernünftiges Spiel, gab es also endlich mal wieder ein Pflichtspiel in einem großen Stadion und Support.

Da frühzeitig die Büros verlassen wurden, konnte ein kurzer Sightseeingstop eingebaut werden und ließ uns zunächst einmal oberhalb der steilen Treppen zur Altstadt halten.

Die Montagne de Bueren warten bei Temperaturen, die dem Schicksalsberg Konkurrenz machen, mit freundlichen 374 Stufen und einer Steigung von 30%! auf den vollkommen bekloppten Fussballtouristen.

Zunächst zeigten sich aber die Vorzüge der Position oberhalb der zweitgrößten Stadt Belgiens. Die Aussicht von dort ist genial und der Blick die vielen Stufen hinab einzigartig. Außerdem kann das Auto hier kostenneutral abgestellt werden und man spart sich eine teure Tiefgarage in der City.

Richtung Place Saint-Lambert wurde nun ein kurzer Eindruck der schönen Altstadt gewonnen und zunächst für belgische Fritten und anschließend für belgisches Bier kurz eingekehrt.

Nun kam der leider unausweichlich doofe Teil dieses Plans: Der Aufstieg. Bei weiterhin locker 38 Grad hieften wir unsere Fleischsäcke die Stufen hinauf und erreichten klitschnass wieder das Auto. In Jerewan waren wir noch faul den Berg mit Taxi hochgefahren und runtergelaufen, bei den hiesigen Taxipreisen aber keine Option für jeden Sparfuchs.

Die nun knapp 15 Minuten Fahrt in den Stadtteil Sclessin, welcher dem Stade Maurice Dufrasne einen weiteren Namen verleiht, wurde schnell und ohne Probleme abgespult.

Die Parkplatzsitutation war freundlich ausgedrückt: abenteuerlich.

Auf der Gegenspur parkten die Autos einfach schon mitten auf der Straße und wir erwischten nach einem kleinen Logistikmeisterwerk eine Pole-Position direkt unter einen angrenzenden Brücke mit nur 3 Minuten Fußweg zum Eingang.

Karten brauchten wir vorab nicht online kaufen, gab es doch ausreichend an der Tageskasse und wir wählten für 34€ die Tribune 1 mit Blick auf beide Kurven.

Nachdem sich mit dank nerviger Plastikkarte noch schnell einige Jupiler reingeschraubt wurden, ging es die steilen Stufen (schon wieder? -.-) hinauf zu unseren Plätzen in Block T1.

Und die, liebe Freunde der Sonne, waren mal richtig scheiße!

Direkt hinter locker 1,50m großen Gitterstäben konnte man so gut wie nichts sehen und fühlte sich in dem Solispruch "Ausgesperrte immer bei uns!" trotz Nicht-Ultrabezug plötzlich gut aufgehoben.

Kurzerhand musste eine Alternative her, welche wir im nur halbvollen Pressebereich fanden. Nach einem kurzen Sprung über ein Gitter im Treppenhaus sah die Welt schon ganz anders aus und mit besten Plätzen, einem Tisch und gratis Getränken ließ es sich gut aushalten.

Bestimmt nicht die feine, englische Art, aber wenn ihr uns verarscht, verarschen wir euch eben auch ;-)

 

Das Stade Maurice Dufrasne gefällt mir aufgrund der steilen drei Ränge auf Anhieb sehr gut und erinnert etwas an die Grolsch Veste in Enschede.

Da Liége auch eher französisch als niederländisch angehaucht ist, konnte man ein aus Frankreich bekanntes Bild erkennen: Zwei Kurven, je eine hinter den Toren.

Zur linken Hand, auf der Tribune III ist die wohl bekannteste Gruppe, die Ultras Inferno beheimatet. Daneben steht die Hell-Side und auf der gegenüberliegenden Tribune IV die Gruppe Publik Hysterik Kaos, welche im Vergleich zu UI aber einen deutlich geringeren Stellenwert in der Hierarchie genießt. Konnte das Inferno weitesgehend das gesamte Stadion mitziehen, wollte auf die Gesänge von Kaos niemand einsteigen...

 

Zu Beginn der Partie dann zwei Choreographien zum Tod des Ultras Inferno Mitglieds Bernard gezeigt, welcher bereis vor dem Jahr 2000 der Trommler war und nun leider verstarb.

Die Gruppe zeigte eine zweiteilige Choreo mit der Aufschrift "Bernard bei uns. Unsere Trommeln ertönen für immer für dich"

 

Tribune VI zeigte sich solidarisch: "Bernard - "Trommel". Eine weitere Legende im Himmel von Sclessin."

Für das Auge gab es noch etwas roten Rauch auf Tribune III und die neue Spielzeit konnte offiziell beginnen.

 

Beide Kurven von Liège mit lautstarken Support, während die knapp 800 Indianer aus Gent zahlenmäßig überraschten, aber ansonsten nur bei den Toren zu vernehmen waren.

Auch sportlich war hier mit 5 Treffern einiges geboten und auch Supertorwart Guillermo Ochoa blieb davon nicht verschont.

 

Halbzeit 2 meines Jahres 2018 bekommt einen verstärkten Blick auf Belgien, da die Niederlande kaum reizen und in den oberen Ligen quasi abgegrast sind.

Das heute war definitiv ein absolut lohnenswerter Ausflug und tausendmal besser als sich am Freitagabend für 50€ bei schlechter Musik im Alando abzuschießen.