Stade de Mbour - Casa Sport 3:0

Ligue 1 (1. Liga Senegal)

06.01.18

Stade Caroline Faye (5.000)

Zuschauer: 5.000 (300 Gäste)

   Eintritt: 2.000 CFA (3€)



Ein Doppler in Afrika? Vermutlich so selten, wie ein Pflichtspieltor von Robbie Kristo.
Aber bei nur 5 Minuten Fahrt in die nebenan liegende Großstadt Mbour für Formel1-Fahrer Abdullay natürlich pas de problem 😉
Mit knapp 250.000 Einwohnern ist sie auch größer als die schönste Stadt in unserem Sonnensystem und merklich geschäftiger, wuseliger, afrikanischer.
Direkt am Stadiontor konnte der klapprige Peugeot abgestellt werden, wobei Fabse ständig das Gummi der Türverkleidung mitnahm, wenn er ausstieg.
Wenige Meter waren absoviert und schon hatten wir einen 25-köpfigen Kindermob um uns herum.
Schon eine komische Situation, wenn man die Hauptattraktion ist und jeder einen anfassen möchte.
Abdullay bewies sich in seiner Rolle als wahrer Top-Lad und hinderte den Mob an einer Grabbel-Orgie. Nebenbei besorgte er am rappelvollen Kartenstand noch 4 Tickets für den Erstligakracher.
Das Stade Caroline Faye war bereits extrem voll und die Haupttribüne mehr als ausverkauft.
Durch ein ebenfalls viel zu volles Stadion kam es am 16.07.2017 beim Ligapokalfinale zwischen Ouakam und der heutigen Heimmannschaft zu einer Massenpanik im Demba-Diop-Stadion in Dakar. Gegnerische Fans bewarfen sich mit Gegenständen, die Bullen antworteten mit Tränengas. Eine Stadionwand stürzte ein, Resultat: 60 Verletzte, 8 Tote. Das extrem baufällige Stadion in der Hauptstadt ist daher aktuell geschlossen und somit der Grund warum überhaupt Spiele im Nationalstadion stattfinden.
Schade, dass es damit gestern nicht geklappt hat, aber ich mag es sowieso lieber, wenn ich ein kleineres Stadion habe, welches picke-packe-voll ist.
Auf der Haupttribüne drehte der Heimanhang in weiss-rot schon gut frei, während auf unserer Seite gegenüber etwa 300 Grüne aus Ziguinchor, dem Handelszentrums der Casamance aus dem südlichen Teil des Senegal ihre Farben vertraten.
Von der Gästeanzahl war ich schon ein wenig begeistert, obwohl die Fans von Casa kaum akustisch auf sich aufmerksam machten.
Da konnten sich die zahlreichen, fliegenden Händler schon mehr Gehör verschaffen, wobei Abdullay für die ganze Crew Erdnüsse besorgte. Das Angebot war hier aber noch deutlich breiter gestreut, ähnlich wie die Scooter, die direkt vor der Gegengerade parken konnten.
Das war auf jeden Fall mal ein deutlich cooleres Spiel als wenige Kilometer zuvor in Saly.
Gute Stimmung, 3 Hütten und am Ende hat man sich in T-Shirt und kurzer Hose sogar den Arsch abgefroren und das in Afrika 😁
Auf dem Weg nach draußen fragte uns der Kumpel von Abdullay in Schiltigheim-Jogger ob wir ihn bis Somone mitnehmen könnten.
Und schon ging es zu fünft durch das abendliche Mbour zurück zum Phenix und ab an den Tresen.
Auf der Fahrt konnte Abdullay endlich mal richtig quatschen, während die 3 Kartoffeln wahlweise am Smartphone daddelten, oder dem Treiben aus dem Fenster zusahen, unterhielten sich die beiden auf Wolof, der noch immer beständigen Umgangssprache im Senegal.
Bei ein paar Flag und Biere de Gazelle, wurde das Abendessen in Form von Shrimps in Chilisoße genossen, ehe es zeitig in die Kiste ging.

Am Folgetag sollte Abdullay bereits um 09:00 mit einem Skoda Fabia vor unserer Bude warten, nachdem der Peugeot von gestern wohl endgültig Schrott war und nach dem zweiten Mal Frühstück am Atlantik hieß es Check-Out, merci beaucoup und allez allez mit unserem neuen besten Freund.
Die Tagesordnung für den Montag würden wir unserem Taxifahrer in mundgerechten Stücken servieren, was aber zu diesem Zeitpunkt nichtmal wir wussten.

Zunächst ging es ins unweit gelegene Reserve de Bandia um ein wenig Afrikafeeling mitzunehmen und sich besser zu fühlen, als die fetten Kids, die sich im Zoo vor eine Glasscheibe drücken und ihr 5,20€ Eis schlecken.
Das 3.500 Hektar große Gelände lud zur Safari ein und für 132.500 CFA bekamen wir Eintritt, Fahrer, 4x4 Geländewagen und deutschsprachigen Guide.
Selbstredend, dass Abdullay nicht im Taxi wartete, sondern auf der Mittelbank des Jeeps Platz nahm.
Über huckelige Savannenpisten ging es vorbei an Baobabs (Affenbrotbäumen), Pferdeantilopen, Zebras, Giraffen, Büffeln und Krokodilen. Fabse wollte trotz knusprigem Sonnenbrand nicht mit den Krokos planschen und so kamen alle lebendig durch den Vormittag.
Als unser Guide nach der genauen Herkunft fragte und wir mit irgendwo bei Hannover antworteten, wollte er wissen wie weit man von dort nach Osnabrück fährt.
Was für ein unfassbarer Top-Lad! Der Gute hatte über viele Jahre einen Brieffreund in Osna, aber noch nie einen Fuß nach Deutschland gesetzt. So klein, wie der Pimmel von Amaury Bischoff ist eben auch die Welt!

Nachdem Abdullay bereits die ganze Safari mit Gott und der Welt telefoniert hatte, ging es nun zum zweiten Boxenstopp des Tages in die Hafenstadt Dakar direkt in einer Bucht gelegen.

Früher habe ich mit Dakar eigentlich nur die Rallye Dakar verbunden, welche zeitgleich zu unserem Aufenthalt stattfand. Allerdings in Südamerika...
Höchste Zeit also mehr über diese Metropole zu erfahren und über Land- und zum Ende über die Mautstraße (O-Ton Abdullay: Ohohoh, Senegal, payez encore, Till, Toma, ohohoh!") wurde die Hauptstadt erreicht.
Meinen Namen bekam der angeblich 45-jährige einfach nicht auf die Kette, ungeachtet davon, dass ich der Einzige war, der sich wenigstens ein bisschen mit ihm unterhalten konnte.
Die Autobahnabfahrt war richtig schön verstopft und lud Unmengen von fliegenden Händlern ein uns hier allerlei Zeug anzudrehen. 
Wir blieben aber sitzen und steuerten zunächst eine Bank an, damit Toma unsere Franc-Reserve aufstocken konnte. Während Fabse und ich im Auto warteten, stieg Abdullay aus um nach Thomas zu sehen, weil er ihm das Unterfangen wohl nicht zutraute. Dafür stellte sich ein Junge an mein geöffnetes Fenster und schaute mich mit großen Augen minutenlang einfach nur an und man bekam erneut ein Gefühl dafür, wie man sich bei uns als Afrikaner fühlen muss.
Mit frischen Scheinen kamen die Beiden dann um die Ecke und wir fuhren zur Zieldestination, dem Monument der afrikanischen Renaissance.
In Dakar sind Sehenswürdigkeiten eher rar gesät, aber diese 49 Meter Bronzestatue auf einem 100 Meter hohen Hügel haut einen schon um. Das Monument zeigt eine Kleinfamilie bestehend aus Mann, Frau und Kind, welches in Richtung Amerika über den Atlantik zeigt. Grund für die Errichtung war das 50-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich, der Bau rief aber viele Kritiker hervor, da die Kosten extrem hoch ausfielen und die halbnackte Darstellung in einem zu 90% islamischen Land nicht so gern gesehen wird.
Würde man hier ein ähnlich hässliches Abbild eines Fussballers, wie das von CR7 auf Madeira errichten, wäre der gewählte Fussballer aktuell wohl Sadio Mané vom Liverpool FC mit einem aktuellen Marktwert von schlappen 60 Millionen Euro. Trotz zahlreicher begabter Fussballer hat es der Senegal nie zu einem Africa-Cup-Titel gebracht.
Lediglich die eher unbekannte Copa Amilcar (Pokal für westafrikanische Mannschaften) konnte man 8x gewinnen und die fussballerische Klasse beweisenn, sind wir mal gespannt was diesen Sommer in Russland geht...
Abdullay hatte jetzt eigentlich seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und langsam auch mächtig Hunger, so dass auch wir zum Mittagessen aufbrechen wollten und ihm ein neues Angebot machten, was er nicht ablehnen konnte.
Für 30.000 CFA sollte er uns zum Restaurant "La Pampa" fahren, wo wir ihm ein Essen spendieren würden, danach wollten wir zum Fährhafen inkl. 2 Stunden Aufenthalt auf Goreé , bevor es am Abend zum Flughafen zurück gehen sollte.
Abdullay schlug ein und wir konnten uns bei Burger und Steaks die Bäuche vollschlagen. Unser neuer Kumpel machte von dem Gebotenen auf dem Tisch allerhand Fotos und einige Selfies mit uns, so schlecht scheint es ihm also nicht gefallen zu haben 😁
Gut gesättigt waren 30 Minuten Zeit die letzte Fähre auf die Insel Goreé zu erwischen um noch meinen UNESCO-Kontinentalpunkt mitzunehmen.
Für ein paar Euro bekommt man das Ticket für die 15-minütige Überfahrt mit der besten Fähre der Welt, die auf den Namen "Beer" getauft ist.
Ohne alkoholhaltige Kaltgetränke, aber mit Abdullay ging es rüber auf Goreé, einem Hauptumschlagsplatz für Sklavenhandel während der französischen Kolonialzeit.
So zumindest eine Theorie, denn seit 2006 gilt dieser Umstand als äußerst umstritten.
Während man auf der Insel von 12 Millionen verschifften Menschen alleine nach Amerika spricht, wird von anderer Seite von 500 Menschen pro Jahr gesprochen.
Fakt ist: Goreé ist ein kleines Paradies, mit einer grausamen Vergangenheit, was besonders die Tür ohne Wiederkehr zeigt.
Wer durch diese Tür ging, wurde über den großen Teich geschickt und kam nie mehr zurück. Besonders grausam: Um die Sklaven vor dem Sprung von der Planke in den Atlantik (und somit den Tod) abzuschrecken, wurde man mit mindestens einer weiteren Person zusammengekettet, springst du also in den Tod, nimmst du immer einen anderen Menschen mit.
Beeindruckt und bedrückt von der hier herrschenden Atmosphäre wurde uns einmal mehr das Unverständnis über die braunen, besorgten Bürger in Deutschland bewusst.
Wer nach solchen Vorfällen wie hier, oder in den KZ immer noch seine nationalistische Haltung verteidigt, hat nicht nur niemals ein Geschichtsbuch angefasst, sondern ist einfach ein widerwärtiges Arschloch.
Wer sich nun angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen diese Seite zu entliken und sich zu verpissen.

2 Stunden hatten wir auf der Insel und wurden dabei von Abdullay (der selbstredend mitgekommen war) herumgeführt und bekamen einiges erklärt.
Unter anderem erzählte er uns, dass Blaise Diagne hier lebte und auch der aktuelle Präsident des senegalesischen Fussballverbands seinen Wohnsitz auf der Insel hat.
Diese kleine "Führung" wurde ihm jedoch beim Passieren der örtlichen Polizeiwache zum Verhängnis.
Obwohl Abdullay kein Geld von uns verlangte und uns einfach aus Sympathie etwas über seine Heimat erzählen wollte, griff ihn die Polizei auf und nahm ihm seinen Pass ab.
Da er als Guide ohne Ausweis fungierte, sollte er nun 12.000 CFA Strafe zahlen um den Pass zurück zu erhalten. Da er nur 6.000 CFA dabei hatte, wurden ihm diese abgenommen und er konnte gehen.
Ein Grund mehr einen weltweiten Hass auf diese Ganoven zu schieben, die sich bei jeder Möglichkeit durch ihre Machtstellung bereichern.
Natürlich bekam Abdullay die 6.000 Franc später von uns wieder 😉
Kulturprogramm somit eindrucksvoll abgehakt und eine klare Empfehlung an alle Dakar-Reisenden!
Nun näherte sich bereits das Ende und wir brachen auf zum Airport, wobei wir in einen Monster-Feierabend-Stau gerieten.
Nach 1,5 h hatten wir gerade den Ausgang der Millionenstadt passiert. Bei Abendspielen in Dakar sollte man definitiv viel Zeit einplanen...
Am Flughafen wurde unser neuer bester Freund für die letzten Tage fürstlich entlohnt und wir brachen auf zum Gate.
Hinter der Sicherheit sollten 2 Lounges warten, die wir checken wollten, da bis Abflug noch mehrere Stunden Zeit waren.
30€ für etwas zu Essen und ausschließlich antialkoholische Getränke waren dann aber nicht realpreisig. Auch die handgezählten 3! Bars boten nur Mist und so wollte man für 3 Bier und 3 Baguettes 30€ haben...
Das hier soll also das neue Drehkreuz in Westafrika werden? Na, dann Prost, Mahlzeit!
ChrissFlyer würde durchdrehen an diesem Flughafen, aber er fliegt ja eh nicht nach Afrika...
Die Zeit bis Abflug konnte somit nur mit der Lieblingsbeschäftigung aller Groundhopper verbracht werden: Backpacker bepöbeln!
Was hier schon wieder in viel zu langen, bunten Hosen, fettigen Haaren und ungeduscht rumlief, war wirklich ekelhaft.
Um 03:00 konnte der Vogel endlich abheben und das Frühstück hätte TAP auch gerne direkt im Klo runterspülen können... Bier war natürlich Fehlanzeige an Bord... Nie wieder mit dieser Scheißairline!
In Lissabon gelandet drohte der nächste Stopover über 7 Stunden.
Hier kann man sich es in der Lounge für 25€ aber echt gut gehen lassen und bekommt neben gratis Essen und Trinken (mit Hochprozentigem und Bier!) auch eine Dusche geboten. Der Aufenthalt ist auf 3 Stunden begrenzt, aber das interessiert hier keine Sau und so nutzten wir den Service bis kurz vor Abflug aus.
Mit dem letzten TAP-Flug unseres Lebens ging es zurück nach Köln, was mit 6 Grad Aussentemperatur nicht unbedingt sexy rüberkam.

48h Afrika klingt völlig bescheuert.
Aber was man in nur 2 Tagen sehen und erleben kann, erstaunt mich immer wieder auf's neue.
Dank einer Topbesatzung, geilem Wetter und einem optimalen Zeitplan für 2 Tage war es eine richtig geile Tour, die extrem Bock auf den schwarzen Kontinent gemacht hat.

Also ein Ausflug der keinesfalls umsonst, aber quasi gratis war. #danketap