SpVgg Bayreuth - TSV 1860 Rosenheim 0:1 (0:0)

Regionalliga Bayern (4. Liga Deutschland)

27.10.18

Hans-Walter-Wild-Stadion (21.500)

Zuschauer: 526

      Eintritt: 10€



Am Samstagmorgen konnte ich einigermaßen auspennen und gegen 8:30 wurde in der Villa Husum noch fürstlich gefrühstückt, bevor wir mit Schönis spanischem Boliden über das abgrundtief hässliche Salzgitter Richtung Oberfranken fuhren. Vorbei an verträumten Orten wie Pissen oder Lederhose lenkte der Professor sein Gefährt routiniert in den Regierungssitz, das 74.000 Menschen starke Bayreuth. Ich wurde in der Stadt erstmal entsorgt, da alle Jäger von Weltkulturerben hier ein Kreuz im UNESCO-Informer setzen können, zu denen mein wesentlich älterer Begleiter aber nicht zählte. Durch die Fussgängerzone der Partnerstadt von Prag 6 ging es für mich zum Objekt der Begierde, dem marktgräflichen Opernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dieses barocke Schmankerl von Marktgrafenpärchen Friedrich und Wilhelmine trägt seit 2012 den Status Weltkulturerbe und wirkt von außen erstmal nicht besonders auffällig. Zahlt man aber die recht ordentlichen 8€ Eintritt und betritt das Opernhaus, fällt einem schon mal das Doppelkinn runter und man sieht drei komplett aus Holz gefertigte Logenränge (für die drei Stände der Gesellschaft= 1. Groundhopper, 2. restliche Fussballfans, 3. Backpacker) mit unfassbar vielen kleinen Details. Das Teil hat den Status absolut verdient und man findet egal wohin man schaut immer noch eine weitere architektonische, oder künstlerische Meisterleistung. Im Gegensatz zu dem Erklärbärfilm, den ich mir im Vergleich zum restlichen Tourimob schenkte und mich auf dem Weg zum Fussball machte.

Noch so ne Liste, wo ich Kreuzchen setze und für mich besonders interessant, da das Hans-Walter-Wild-Stadion zu den 100 größten Stadien Deutschlands gehört, welche ich möglichst alle besuchen will. Der Flankengott von Bergedorf wartete bereits in seinem Auto auf dem Parkplatz und ich traf nach einer Umrundung des Grounds dann auch an der 3.500 Sitzplätze fassenden Haupttribüne ein. 10€ für einen Stehplatz werden fällig, was für die 4. Liga schon nicht soo wenig ist, dafür kann man sich im ganzen Stadion (die Tribüne ausgenommen) frei bewegen. Das Stadion ist nach dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Walter Wild benannt, welcher sich sehr für den lokalen Sport in seiner Heimat engagierte und den Ground im Jahr 1967 zunächst noch ohne Sitzplatztribüne eröffnete. 1974 wurde der Blickfang dann dazu gebaut und gefällt mir aufgrund der Dachkonstruktion und des Schriftzugs darauf richtig gut. Auf der Gegenseite wird aktuell der Gästeblock komplett neu gebaut und dieser Teil ist daher aktuell nicht geöffnet. Für die Besucherzahl heute reichten selbstverständlich auch die restlichen Tribünenbereiche vollkommen aus. Die Gelb-Schwarzen waren mehrere Jahre in der zwei- und später in der eingleisigen 2. Bundesliga zu finden und verpassten 1979 in den Aufstiegsspielen gegen Bayer 05 Uerdingen nur knapp den erstmaligen Sprung ins Oberhaus. Die Fanszene in Bayreuth gilt generell eher als linksorientiert und heute waren zwei Fanclubs mit Zaunfahnen zu erkennen. Die eher älteren direkt hinter dem Tor mit der Fahne Alstadt Kult (Oldschdod) und die ultraorientierten der Szene 21 etwas weiter außen in der Kurve. Die kleine Gruppe um die Szene 21 bemühte sich zwar um Dauersupport, war aber kaum zu vernehmen und in Bayreuth scheint es mehr noch um Fussball gucken, Bier trinken und gelegentlich pöbeln oder anfeuern zu gehen. Um das Stadion herum waren übrigens zahlreiche (nicht fussballbezogene) Graffitis und/oder Sticker zu erkennen, die meine Erwartungen etwas höher stiegen ließen, als das was ich dann im Stadion sah/hörte. Der einzige Imbiss hinter der Heimkurve wurde dann von uns bereits in der 1. Halbzeit beehrt und auch wenn die zwei Würstchen natürlich besser schmeckten als bei uns im Nordwesten, war ich auch hier etwas enttäuscht. Das geht in der Region hier definitiv deutlich besser, was sich auch im Verlaufe dieses Wochenende wieder bestätigen sollte.

Das Spiel plätscherte eher so dahin und hatte kaum Höhepunkte, wir frierten uns zum langsam anstehenden Winterauftakt mit einem kalten Kulmbacher (top!) schon mal etwas den Arsch ab.

Mit Abpfiff waren wir froh wieder im warmen Auto zu sitzen und die kurze Fahrt ins Nachtquartier in Bamberg wurde angetreten. Da die Bilder aus dieser echt netten Stadt (inkl. Weltkulturerbe) aber hier den Rahmen sprengen würden, gibt´s dazu nochmal nen extra Beitrag ;-)