SC Geislingen - TSV Buch 1:4 (0:1)

Landesliga Württemberg 2 (7. Liga Deutschland)

20.10.18

Stadion Eybacher Tal (7.500)

Zuschauer: 294 (30 Gäste)

      Eintritt: 6€



Eine Tour zu planen ist für mich fast der beste Part beim Groundhopping. Fragen wie: "Wie komme ich von Duisburg nach Köln?", oder gibt es am 12.11. ein Spiel in...?" kann ich daher nicht verstehen, solange es wirklich nicht schwer ist selbst zu recherchieren.
Für die Fahrt nach Heidenheim galt es nach einem geeigneten Doppler nach Abpfiff zu suchen, was bei der kuriosen Anstoßzeit um 13:00 eher schwierig war. Für den ersten Grobüberblick schmeiße ich erstmal Fupa.net für die jeweilige Region an. Jetzt kristallisieren sich die Spiele raus, die im gewünschten Zeitfenster liegen, parallel ist Google Maps offen um die Fahrtzeit zu checken. Und voila: 3 Alternativen stehen für uns zur Auswahl, wobei der SC Geislingen den Zuschlag bekommt. 30 Minuten Fahrt lt. Onkel Datenkrake, bei Anstoß um 15:30 eine schwierige aber machbare Nummer und dank Rallyefahrer Sven am Steuer schaffen wir es pünktlich.
Der Parkplatz platzte bereits aus allen Nähten, was bei einem Siebtligaspiel und der Anstoßzeit Samstag 15:30 doch eher überrascht, spielen doch zeitgleich die hier zwei bedeutensten Vereine 1. FC Nürnberg und VfB Stuttgart im TV.
Bereits die Kasse wirkt stark sympathisch und eine etwa 85-jährige Dame mit Rollator reisst nach Eintritt das Ticket ab um es zu entwerten :-)
Die Fünftälerstadt Geislingen an der Steige liegt, wie auch das Stadion Eybacher Tal malerisch im Talkessel, gehört zum Landkreis Göppingen und hat etwa 27.000 Einwohner.
Die große Würtembergische Metallwaren-Fabrik (WMF) hat übrigens ihren Sitz hier in Geislingen, wo in der Nazizeit jüdische Ungarinnen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden und einige von Ihnen die mörderischen Arbeitsbedingungen nicht überlebten.
Heute hat wohl fast jeder 2. Haushalt irgendwelches Besteck von WMF zu Hause in der Küchenschublade und auch die großzügige  Vereinswirtschaft dürfte bestens ausgestattet sein. Fetter Flatscreen, gute Essensauswahl und mit der "Kaiser Brauerei" noch regionaler Bierausschank. Drinnen hockten aber nur zwei einsame Seelen bei der Buli-Konferenz, aber draußen war richtig was los. Wir waren positiv überrascht wie viele Zuschauer den Landesligakick sehen wollten und genossen mit einem Kaiser-Bier das Kaiser-Wetter. Der Ground überzeugt neben der geilen Lage durch eine große Tribüne und Stufen an den restlichen 3 Seiten. Dürfte auf diesem Amateurlevel mit das Beste sein, was in meiner Liste steht. Einen fetten Soccer-Court hat sich der SC auch noch gegönnt und grüßt in der Landesliga aktuell vom Platz an der Sonne. Auch wenn es im Moment nur noch die niederen Amateurligen sind, dürften sich z.B. ältere Fansemester des HSV an den SCG erinnern, flog der Nordclub und damals amtierende Europapokalsieger der Landesmeister hier doch in Runde 1 des DFB-Pokals raus. Heute ist das beim HSV natürlich Business-as-usual, damals war es aber noch eine echte Sensation.
Der Macher des deutschen "Sommermärchens" Jürgen Klinsmann spielte in seiner Jugend von 1974-1978 hier und ziert einige Bilder, sowie einen Straßennamen.
Der haushohe Favorit wurde heute aber von mutig spielenden Gästen aus Buch überrascht und kam mit 1:4 unter die Räder. Auf der Tribüne führte das zu einigen Wortgefechten zwischen beiden Seiten, am Ende blieben Riots aber aus 😉
Hochzufrieden mit dem Gesamtpaket ging es für uns auf die fünfstündige Odysee gen Norden und vor Mitternacht war ich wieder in der Falle.