Pyunik FC II - FC Ararat Yerevan II 5:0 (2:0)

First League (2. Liga Armenien)

03.04.18

Pyunik Stadium (780)

Zuschauer: 60

   Eintritt: frei

Was eine irre Nachtfahrt quer durch Kaukasien...
Nach dem Trip mit 3 Taxista durch 3 Länder waren wir alle ziemlich im Arsch.
Nach Ankunft im Prime Hostel, welches etwas versteckt im Hinterhof liegt hieß der nächste Agendapunkt daher: Pennen!
Pippo und ich waren sogar so müde, dass wir die Wecker einfach verschliefen und Jörg etwa 10 Minuten nach ausgemachter Zeit in unserem Zimmer vorstellig wurde.
Wenn der Captain zum Sightseeing-Trip ruft, sind wir natürlich am Set auch wenn der erste Stop via Taxi gemeistert wurde.
Bereits am Morgen hatten wir uns mit ausreichend Dram versorgt. Die Währung Armeniens hat im relativ stabilen Wechselverhältnis des Euro zu Lari oder Manat einen anderen Kurs.
Für einen EU-Taler erhält man hier satte 600 Dram (Dram, Dram).
Die Fahrt aus der Innenstadt hoch zur Statue "Mother Armenia" kostete uns 1.000 Dram, also knapp 50 Cent p.P. was vermutlich bereits Tourikurs war.
Für uns natürlich trotzdem Peanuts und unsere geschundenen Knochen konnten sich den Aufstieg sparen.
Von hier oben hat man einen klasse Blick auf die Stadt und vor allem auf das Gebirge.
Beide Spitzen gehören zum Ararat und heißen kleiner und größer Ararat, welche beide auf dem Staatsgebiet der Türkei liegen.
Diese Tatsache schmeckt vielen Armeniern überhaupt nicht, da viele den Berg als Nationalsymbol ansehen und historisch ihrem Land zuordnen.
Überragend war hier der Konter des ehemaligen Außenministers der Sowjetunion Andrei Gromyiko, welcher auf die Spitze der Türken "Der Ararat würde auf dem Territorium der Türkei liegen und Armenien oder die Sowjetunion dürften diesen daher nicht für sich vereinnahmen." antwortete, dass im
Gegensatz dazu die Türkei den Mond als eine Mondsichel in der Flagge führe, obwohl weder der Mond noch ein Teil davon zur Türkei gehörten.
Uns am Ende egal, denn ob jetzt türkisch, oder armenisch, der 5.137 Meter hohe Berg ist ein absolut geiler Ground.
Die 51 Meter hohe Statue,welche 1967 eine Statue von Stalin ablöste beeindruckt ebenfalls, kann aber mit dem Ausblick Richtung Türkei nicht mithalten.
Hier oben im Victorypark gibt es außerdem ein Militärmuseum , sowie einen geilen abgefuckten Jahrmarkt.
Bei Arcadegames wie Rambo zeigten Pippo und ich, was wir für knallharte Kerle sind, höhö. Der Captain konnte sich beim Tischkicker gerade noch zum 6:6 retten, ehe die armenische Aufpasserin unser Spiel abbrach, schreit nach Revanche! 😉
Runter vom Siegespark führt eine nicht ganz vollendete Kaskadentreppe runter in die Millionenstadt. 572 Stufen führen vorbei an einigen Skulpturen , wobei der obere Teil nicht ganz fertig gestellt wurde.
Die Stahlträger sind zum Teil extrem verbogen und deuten auf eine schon länger ruhende Baustelle hin.
Mit einem Hefeweizen im Paulanergarten (what the fuck?!) stießen wir auf einen coolen Tag an und trunken damit unser bestes Bier in Armenien.
Armenier sind sehr freundlich und das Land super schön, aber wenn sie eines nicht können, dann Bier brauen. Sorten wie Gyumri bekamen von mir historische Tiefstwerte bei Untappd.
Egal, denn Frommel stieß hier wieder zu unserer lustigen Truppe und wir konnten den fussballfreien Tag mit einem fetten Abendessen ausklingen lassen.
Die vergangene Nacht steckte aber noch in den Knochen und das Licht ging frühzeitig aus.
Am Folgetag hieß es etwas länger pennen, da das Sightseeingprogramm bereits zu einem großen Teil angehandelt war.
Zwei Programmpunkte gab es vor dem Länderpunkt aber noch, also ging es zunächst mit dem Taxi (ohne Spaß Leute, ihr müsst hier kein Bus fahren...) zum Denkmal Zizernakaberd.
Hier wird den über 1,5 Millionen  Armeniern gedacht, welche besonders in den Jahren 1915 und 1916 unter der Verantwortung der Türken ermordet wurden.
In der Welt wird dieses Ereignis inzwischen von vielen Staaten als Völkermord anerkannt, die Türkei weigert sich bis heute diesen als solchen anzuerkennen und bezeichnen die Deportationen als kriegsbedingte Sicherheitsmaßnahmen.
Die Staatschefs der Länder, welchen den Völkermord anerkennen
haben einen kleinen Baum gepflanzt. Zwölf Pylonen rund und die "ewige Flamme", ein Obelisk, sowie eine Mauer mit Namen der Opfer und deren Herkunftsdörfern schließen den Denkmalkomplex ab.
Für mich ein absolut würdiger Ort um inne zu halten und zu gedenken, ganz im Gegenteil zum Holocaust-Denkmal in Berlin was für mich bis heute nicht im Ansatz würdevoll ist, während Touris dort rumklettern oder verstecken spielen.
Von hier oben konnte man das zweite Ziel bereits gut erkennen und ich freute mich bereits, wie ein kleines Kind.
Das Hrazdan Stadion sollte kein Spiel für uns bereit halten, dennoch gehört es meiner Meinung nach zu den beeindruckensten Stadien weltweit.
Diese 55.000 Zuschauer fassende Schönheit soll noch 2008 renoviert worden sein, davon ist hier (zum Glück) nichts erkennen.
Auch wenn ich keine Quellen dazu gefunden habe, glaube ich, dass es keine größeren Fluter auf der Welt gibt, dazu noch die eine völlig überdimensionierte Tribüne. Das Hrazdan Stadion ist ein feuchter Traum jedes Groundhopper, da bin ich mir sicher.
Nach etwas abtasten von außen und einigen verschlossenen Toren stand das Haupttor unten einfach offen! Drei Polizisten waren mehr mit Slalomtraining in ihren Autos beschäftigt als mit den vier Hopperheinzen, welche fast Pipi in den Augen hatten.
Zwar ist der Rasen des Stadions inzwischen eher ein Kartoffelacker, aber wir hatten sichtlich Spaß und machten viele Bilder.
Irgendwann trieb uns der Hunger in die nah gelegene Shoppingmall und wir stopften uns mit Meal Deals die Mäuler.
20 Minuten vor Anpfiff wurde die Straße überquert und schon war man im Pyunik Stadium. Selbstverständlich für umme 😁
Bei diesem Zweitligaspiel der Zweitvertretungen von Pyunik und Ararat (da war's wieder 😉) sollte also Länderpunkt 40 fallen.
Der Ground ist relativ unspektakulär und die klar sichtbaren Fluter des großen Bruders Hrazdan schreien quasi rüber "Hey, warum spielt ihr nicht hier?"
Aber Groundhopping ist eben kein Wunschkonzert, also wurde dem klaren Sieg der Heimelf zugesehen.
Verpflegung gab's durch eine ältere Frau mit Wägelchen, Support natürlich nicht.
Wir waren trotzdem happy über den Länderpunkt und das Spiel war auch relativ ansehnlich, also alles halb so wild.
Nach Abpfiff ging es zur blauen Moschee und einem Supermarkt, ehe das erste Bier getrunken war und ich mich mit Frommel nochmal zu den Kaskaden aufmachte.
Abgerundet wurde der Tag mit einem überragenden Kebab wenige Häuser neben unserem Hotel, ehe der VfL es per Liveschaltung nach Armenien doch noch schaffte für einen miesen Abschluss zu sorgen...
Ich habe in meinem Leben als VfL-Fan noch nie eine Saison mit so einer blutleeren, unmotivierten Mannschaft gesehen
Ich kann mich mit dieser Truppe nicht identifizieren.
Wenn man es nicht kann, aber kämpft, ist alles ok.
Aber das trifft bei dieser Truppe leider nicht zu.
Radio Eriwan schaltet daher jetzt den Livestream ab und sagt "Neuer Tag, neues Spiel."