Llanelli Town AFC - Cardiff Metropolitan University 0:2 (0:0)

Welsh Premier League (1. Liga Wales)

12.10.18

Stebonheath Park (3.700)

Zuschauer: 239 (+1 Hund)

      Eintritt: 6£



"Ah fuck mate! That's shit, there will be 20 people and a dog!"
Die Reaktion von Steven & den Wales Lads in Cardiff auf meinen Plan war deutlich 😄
Bei meiner Zählweise wäre ein Spiel von Swansea, Cardiff City oder Wrexham aber halt nicht Wales zuzuordnen und nur das Testspiel am gestrigen Abend war mir dann irgendwie zu wenig für das Land.
Man kann über die LP-Zählweise wohl stundenlang diskutieren, für mich ist es nur eben irgenwie nicht konsequent Länderpunkte zu zählen und dann ein englisches Verbandsspiel als LP Wales einzutragen. Entweder ich zähle Länder (Wales gehört zum UK) oder ich zähle Verbände. Lasst uns hier aber nicht darüber diskutieren, sondern das auf die nächste Strongbowrunde verschieben, ist dann eh viel amüsanter 😁
Gegen 10 Uhr machte ich mich erst noch auf ins verregnete Cardiff und hielt mich erstmal nur in den Arkaden, Central Market, Cafes und natürlich im Sportsdirect-Megastore auf. Neben Trikots kann hier natürlich der Gayson Stanley Klassiker überzeugen. Also wanderte der 10er Bumper Pack Socken für schlappe 5£ in den Rucksack. Da der Appetit auf Pubfraß heute nicht so präsent war, ging es für die Nahrungsaufnahme ins Caffe Citta, einem kleinen versteckten Italiener, wo Omi und Opi keinen Fetzen englisch sprechen, dafür aber mit dem Pizzateig umgehen können! Perfekte 50/50 Pizza und eine klare Weiterempfehlung für diese Bude. Der Regen gönnte sich jetzt eine Pause und ich schlenderte durch das Asiviertel Cardiffs Richtung Bay um hier noch ein paar Eindrücke aufzunehmen. Heftiger Wind und raue See begrüßten die Landratte am Ufer und trotzdem wusste die Ecke mit dem kleinen Naturreservat zu gefallen. Cardiff ist echt netter als erwartet, hat jetzt aber auch kein Programm für ein ganzes Wochenende. Im urigen Pub "Duke of Wellington" wurden dann die Zelte aufgeschlagen, einheimische Brauerzeugnisse getestet und die Facebookseiten von vier Vereinen regelmäßig geupdatet.
Durch Wind und Regen stand hier im Süden von Wales eigentlich jeder Kick auf Messer's Schneide, gegen 16:00 entschieden die diversen Platzbegehungen aber alle: Game on!
Mit dem Zug ging es jetzt mit Zwischenstop in der Fussballfans bekannten Stadt Swansea nach Llanelli.
Wäre Llanelli in der Bundesliga zu Hause, könnte man den S04-Vergleich ziehen, entstand die 44.000 Einwohner große Stadt nämlich ebenfalls erst durch Kohle und Bergbau. Die Einwohner der ebenfalls an der See liegenden Ortschaft werden auch "Turks" genannt, da türkische Seefahrer hier oft Halt machten.
Einladend ist die kleine Stadt wohl im Sommer für Ausflüge an die Küste, blöd nur wenn man im Oktober bei Sturm hier aufläuft, aber das ist ja auch kein Prospekt für AIDA-Cruises aus dem ich hier vorlese...
Das Vista Hotel lag recht zentral und konnte mit gutem Einzelzimmerpreis inkl. Frühstück punkten. Ich machte es mir im Zimmer erstmal bequem, klatschte das Handy an die dreipolige Steckdose und meldete mich mit meinem Netflixaccount an. So hätte ich es mir auch fast den ganzen Abend gemütlich machen können, denn draußen wütete der Sturm ohne Pause. Es waren Calcio Padova Verhältnisse in der Grafschaft Carmarthenshire und mein Erstligaspiel der Welsh Premier League wackelte wie ein 150kg schwerer Pommespanzer auf einem Surfbrett.
Als eine gute Stunde vor Kick-Off dann aber auf Facebook keine Spielabsage, sondern die Startaufstellung verkündet wurde, stieg meine Motivation wieder und ich zog den Reißverschluss der Regenjacke bis zum Anschlag nach oben.
Etwa 15 Minuten Fußmarsch waren bis zum Stebonheath Park fällig und die typische Stadionlage mitten im Wohngebiet war auch hier wieder beeindruckend. Natürlich werden moderne Arenen alle auf'n Acker gebaut, da Wohnraum in der Stadt rar und teuer ist, aber wenn du eine Straße langgehst und plötzlich vor den Turnstiles stehst ist das einfach ein hammer Gefühl.
Die Stadionrunde machte ich trotz Unwetter ,die Fotos leider dementsprechend grottig...
Die Haupttribüne sticht durch die eher ungewöhnliche Architektur der Dachkonstruktion ins Auge, die alte Holztribüne des Grounds, der seit 1920 für Fussball genutzt wird, wurde von ihr abgelöst. Auf der Gegengerade noch einige unüberdachte Sitzplätze, sowie ein paar Stehplätze. Und genau dort waren sie! Die 20 Bekloppten mit einem Hund, die Steven gestern prophezeite, stellten sich irgendwie unter den Sprecherstand. Die restlichen 200 Kibice nahmen unter dem Dach Platz und bekamen durch den heftigen Wind trotzdem ab und an den Arsch nass.
Llanelli Town AFC wurde ursprünglich bereits 1896 als Llanelli AFC gegründet, den Zusatz "Town" erhielt man erst 2013 nachdem der Originalverein pleite ging und man als "neuer" Klub in der vierten Liga antreten musste.
Wohlgemerkt waren hierfür Steuerschulden in Höhe von 21.000£ verantwortlich, welche im heutigen Business wohl als Peanuts bezeichnet werden würden. Vor dem wirtschaftliche Ruin erreichten die Reds von der Saison 08/09 - 12/13 jedes Jahr die Europa League. Also die Quali natürlich, denn gegen übermächtige Gegner, wie den FK Tauras Tauragė, oder Kuopion Palloseura kann man natürlich in der ersten Runde nichts ausrichten und so kommt die WPL im 5-Jahres-Tableau auf einen geschmeidigen 48. Platz.
Llanelli wollte damals immer raus aus dem Schatten des kleinen Wales und in die englische Football League, kassierte aber Absage nach Absage.
Wem das jetzt immer noch nicht bekloppt genug ist, der schaut sich mal den aktuellen Rekordmeister, den New Saints F.C. an. Das Wappen ist halbiert, denn man repräsentiert mit Oswestry und Llansantffraid-ym-Mechain einen walisischen und einen englischen Ort. Welcher Ort zu welchem Land gehört, dürftet ihr anhand der Namen relativ einfach selbst erkennen 😉
Heute im Ligabetrieb und der ersten Premier League Saison seit dem Konkurs ging's gegen die Uni-Boys aus der Hauptstadt. Dessen Nickname ist aufgrund des martialischen Bogenschützen im Wappen logischerweise "The archers". Den Ball mit einem lockeren Bogenschuss in den gegnerischen Strafraum zu befördern, wäre bei den Platzverhältnissen das Mittel der Wahl gewesen, aber beide Teams versuchten echt Fussball zu spielen, was natürlich gnadenlos scheiterte.
Aber der umkämpfte, matschige Kick im Shite Weather von Llanelli war die perfekte Abwechslung zum gestrigen Popcorn-Fussball.
In der Halbzeit drückte ich mir für 1,70£ einen Hot-Dog im Vereinsheim rein, welcher das Prädikat "Würgeschlange" erhält und nur mit einer Tonne Tesco Ketchup zu essen war.
In Hälfte 2 trafen die students zum Ende doppelt, wobei das erste tatsächlich das Kacktor des Monats war (Torwart hält den Ball erst zwischen den Beinen fest und lässt ihn dann durchkullern) und das zweite das Tor des Monats (Freistoß aus 23 Metern in den linken Knick).
Zum Abschluss des Tages wurde Mets-Spieler Ben Bowler nach seiner Auswechslung noch von jedem auf der Bank in den Arm genommen. Es war aber nicht Ben's Papagei gestorben, sondern er geht einfach nach Australien.
Dass man ihn da trösten muss ist natürlich umso verständlicher und ich wünschen Ben Bowler alles Gute und hoffentlich wenige Lisa-Begegnungen in Down-Under.
Am Folgetag bekam ich im Frühstücksraum erstmal ein "Morning mate!" auf die Ohren, welches von zwei Mittvierzigern am Nebentisch kam. Die beiden hatten mich gestern Abend im Stadion gesehen und waren natürlich auch Grrrroundhopper. 1x Nottingham Forest und 1x Tottenham Hotspurs hauten sich jetzt mit mir zusammen das Full Welsh Breakfast rein und quatschten über bisherige Touren. Deutschland hat es den beiden echt angetan und auch bei den Täubchen waren sie schon, in puncto Länderpunkte sind die Briten aber eher unmotiviert. Funfact: Als ich 1992 geboren wurde, machte der Spurs-Lad gerade zum ersten Mal die 92 voll, Respekt!
Trotz BBC-Horrorszenarien am Bildschirm über die Wetterlage, fielen nur fast alle Züge aus, nur meine nicht 😁
Über Bridgend und Rhoose ging es zum Cardiff International und von dort für läppische 35€ mit Flybe nach Düsseldorf.
Kleiner Flughafen und kleiner Flieger mit Gateansage 20 Minuten vor Abflug.
Bis der Tourimob überhaupt "Cwtch!" sagen konnte, saß ich zum ersten Mal in meinem Leben als erster Passagier im Flieger. Da dieser aber eh nichtmal halb voll war, hatte jeder Passagier seine eigene Reihe und die Tour fand ein extrem entspanntes Ende.