Arka Gdynia - Legia Warszawa 1:2 (0:2)

Puchar Polski - Finale

02.05.18

PGE Narodowy (58.145)

Zuschauer: 47.037 (~12.000 Arka / ~30.000 Legia)

Eintritt: 30 Złoty (~7€)



Nachdem das Auto zum Flughafen Chopin gebracht wurde, ging es mit dem Zug in die Stadt und unsere Wege trennten sich erneut, denn wir hatten bei Booking einen Schnapper im noblen Hotel Metropol geschlagen, während Shaffi ein Hostel gebucht hatte.
Hier beim Check-In mal der erste Schock, denn unsere Karten, die wir zum Hotel geschickt hatten, sind nie dort angekommen.
Über das Internetportal (laczynaspilka) des polnischen Verbands (PZPN) konnte man die begehrten Finaltickets auch als Ausländer bestellen, musste aber an eine polnische Postadresse schicken.
Nach der ersten Ernüchterung siegte die Vernunft und wir pennten erstmal um alles Weitere am Spieltag zu klären.
Am Mittwochmorgen textete ich mit einer Verbandsmitarbeiterin und bekam die Antwort, dass am Stadion Schalter zum Ausdrucken der Karten sind.
Wir trafen uns also erstmal mit unserem Lieblingsschweizer Shaffi und machten uns mit der Tram auf den Weg zum Museum des Warschauer Aufstandes.
Die morgendliche Geschichtsstunde war ganz ok, das Museum aber ziemlich unübersichtlich und später dank Feiertagen auch einfach brechend voll.

Nun ging es Richtung Altstadt um noch einen Welterbepunkt einzusammeln und etwas zu essen.
Bei Piwo und Źurek (Polnische Kartoffelsuppe mit Brot, gekochtem Ei und Würstchen) lief der zweite Teil schon mal top.
Der Welterbestatus muss hier nicht unbedingt sein, sind doch viele Gebäude recht neu und auch sonst ist die Altstadt nicht so schön wie z.B. in Wroclaw.
Immerhin sahen wir den polnischen Präsidenten auf einer Parade nur 3 Meter entfernt und natürlich gut gesichert.
Ein ca. 15-Jähriger polnischer Lauch wollte dabei die Straße überqueren und wurde vom Security-Chef ordentlich zur Seite geklatscht.

Da wir noch immer "ticketlos" waren, ging es mit der Tram zum Nationalstadion, Spielort der EM 2012.
Direkt bei Ausstieg standen wir bereits vor der Infobude von kupbilet.pl und konnten uns die Zugangsberechtigung drucken lassen.
Freudestrahlend sollte es einmal um die Arena rum gehen, als Shaffi auffiel, dass sein Originalticket plötzlich verschwunden war!
Total paradox, eben waren es noch Marcel und ich, die keine Karten hatten, nun stand der Würzburger ohne Ticket da.
Zurück am Infopoint hatte jemand seine Karte wohl gefunden und abgegeben, Chapeau!
Ich ging nun mit beiden kurz zu ihren Eingängen, denn wir hatten alle Einzelplätze und war auf dem Rückweg zum meinem Gate passend zur monströsen Corteo von Legia wieder am Platz.
Mehrere Tausend komplett in weiss gekleidet und Capo und Trommler auf einer Ladefläche vor dem Mob, absolut geil!
Bei der Kartenkontrolle wurde auch der Personalausweis kontrolliert, so dass der Schwarzmarkt am Stadion eher wenig bis gar nicht florierte.
Mein Platz war eher nah an Arka's Kurve, während Cello bei Legia auf der gegenüberliegenden Seite saß.
Das Stadion füllte sich langsam und spätestens als eine Stunde vor Anpfiff auch der Legiamob das Stadion flutete, war hier Bums in der Hütte.
Brachial laut wurde die Gegenseite bereits bepöbelt und die Vorbereitungen für Choreos getroffen.
Natürlich wurde auch ordentlich beflaggt, wobei auch die Freunde nicht fehlen durften.
Bei Legia waren neben den eigenen Bannern, die Zaunfahnen von ADO Den Haag, Zagłebie Sosnowiec und Olimpia Elbląg gehisst.
Arka konnte einen bunten Block vorweisen, was mir persönlich nicht gut gefällt.
Die Kurve konnte leider nicht vollgemacht werden trotz Unterstützung von wohl:
385x Cracovia
200x Lech
40x Gwardia
204x Lubin
46x Gornik Walbrzych
400x Polonia Bytom

Polonia Bytom komplett in rot mit rot-blauen Schwenkern und die Jude Gang von Cracovia komplett in schwarz, machte die ansonsten blau-gelbe Wand leider etwas kaputt, am Ende dürften es wohl 12.000 gewesen sein, die dem Underdog die Daumen drückten.
Legia hatte in der eigenen Stadt mit ausschließlich weißen Shirts auf den Rängen klar die Hosen an, was die Masse angeht und somit quasi ein Heimspiel.
Auch auf meinem Platz, wie gesagt nah bei Arka, kam Legia unglaublich laut an, aber
auch Arka war ohrenbetäubend und bockstark auf den Rängen.
Optisch leitete Arka mit einer Seefahrerchoreo mit dem Spruch "Kireunek obrany - kurs na puchary" also "Gewählter Kurs - Richtung Pokal" ein, ehe zahlreiche Bengalen aufleuchteten, die Blockfahne im Mittelblock mit dem Seefahrer aber leider zu früh runtergezogen wurde.
Legia ließ sich nicht lange bitten und haute auch gleich eine Choreo raus "Ten dzień nie wygladałby tak samo" - " Dieser Tag wäre nicht der Gleiche"
Der Spruch wurde eingerahmt von den Worten "Bez nas - ohne uns" Absolut wahre Aussage und das N und das S wurden direkt mit Pyro "ausgemalt".
Passend zum 0:1 für Legia stiegen rote und grüne Rauschschwaden in den Warschauer Himmel und der Jubel kannte keine Grenzen mehr (auch bei den Hoppern ).
Aber es war noch lange nicht vorbei - mit dem Spiel und den Highlights auf den Rängen, denn Legia ließ nun eine gigantische Blockfahne herunter mit einem Auge, das den Puchar Polski fest im Blick hat.
Während Arka direkt mit blau-gelbem Rauch konterte und ich vom Spiel vielleicht bisher 3 Minuten gesehen hatte, zu gut waren beide Fanlager.
Von Marcel kam die Nachricht, dass sich bei Legia nun etwa 500 Vermummte im Block befanden, die tütenweise Pyrotechnik im Block aufstellten und tada: Schon brannte der gesamte Block lichterloh!
Bei Arka brannten derweil wieder zig Bengalos mitten in einem blau-gelben Fahnenmeer, ehe man in der 70. Minute begann, Raketen auf den Legia-Block zu schießen. Bestimmt 10 Liebesgrüße landeten entweder bei der Anzeigentafel, in einem der Blöcke oder auf dem Feld.
Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel 2x wegen schlechter Sicht und ließ 10 Minuten nachspielen, bis der Sieger am Ende verdient Legia Warszawa heißt.
Auf den Rängen habe ich wohl nie ein solches Duell gesehen und ein Wiedersehen 2019 ist wahrscheinlich.
Kein Wunder, bei 8 Euro Eintritt und solch einer Kurvenshow, während man beim DFB-Pokal-Finale 100€ aufwärts hinblättert um Helene Fischer zu sehen.