FK Energetik-BGU Minsk - FK Orsha 4:0

Peršaja Liha (2. Liga Belarus)

05.05.18

RCOP-BGU Stadium (1.500)

Zuschauer: 150 (8 Gäste)

   Eintritt: frei

Mit dem Finale in Warschau war das Bonbon der Tour natürlich verdaut und eine Steigerung quasi unmöglich.
Eigentlich ein guter Zeitpunkt um aufzuhören und nach Hause zu fliegen.
Die morgendliche Bahnfahrt führte uns tatsächlich zum Flughafen Chopin, allerdings nicht um mit Rainer nach Köln oder Berlin zu jetten.
Die unaufhfhörliche Jagd nach Länderpunkten und das Fernziel UEFA-Komplettierung trieben uns weiter an und da für den Donnerstag ja eh schon Urlaub eingereicht war, nimmt man den Freitag logischerweise auch frei.
Mit LOT (Yeah, ein neuer Airlinepunkt) ging es für Marcel und mich nach Minsk.
Minsk ist die Hauptstadt von Belarus und nicht von "Weißrussland", was einfach falsch übersetzt ist.
Da das rus in Belarus von der ehemaligen Region Rus stammt und nichts mit Russia zu tun hat.
Eigentlich heißt das Land somit nach der Übersetzung "Westliche Rus", der Name Belarus wird überall anerkannt und wird daher auch von mir verwendet.
Die Reisevorbereitung für wohl einen der exotischten Länderpunkte der UEFA fiel ein klein wenig intensiver aus, als im EU-Raum.
Anders als in Polen kann man hier nicht einfach ohne Passkontrolle den Perso nehmen und rein-und rausspazieren, wie man lustig ist.
Im Normalfall braucht man für Belarus ein Visum, welches wir uns aber sparen wollten.
Passenderweise bietet das Nachbarland von Polen seit 2017 eine 5-tägige visafreie Einreise für bestimmte Nationen unter anderem Deutschland.
Voraussetzung sind eine für Belarus gültige Versicherungspolice mit Deckung von mindestens 10.000€, ein Reisepass, genügend Bargeld für den Aufenthalt und am Wichtigsten, eine Ein-und Ausreise über den internationalen Flughafen Minsk.
Hierbei sollte man das Rückflugticket bereits bei Einreise gebucht haben.
Die Einreise verlief bei uns ohne Komplikationen, auch wenn die Grenzbeamte meinen Reisepass intensiv auf eine mögliche Fälschung prüfte. Bargeld, oder das Rückflugticket interessierte die Dame nicht, aber die Versicherungspolice musste ich vorlegen um den erhofften Stempel in den Pass geknallt zu bekommen.
Für uns war die Reise nochmal etwas abenteuerlicher, da wir beide fast kein russisch sprechen, im Endeffekt beschränkten sich meine Kenntnisse auf:
Da (Ja)
Net (Nein)
Spasibo (Danke)
Skol'ko? (Wie viel?)
Damit kommt man tatsächlich schon recht weit, denn auch wenn man quasi nichts von der Sprache beherrscht, begegnen dir die Leute viel freundlicher, wenn du dir wenigstens Mühe gibst (Nicht wahr lieber Profikader vom VfL?)
Mit dem Hotel Belarus hatte ich vorab einen echten Schnapper geschlagen, durften wir hier doch bei 3 Nächten p.P. bloß 80€ zahlen.
Das mag für Belarus viel sein, aber das Hotel ist quasi das Größte im Land und bietet neben 22. Stockwerken auch eine geniale Poollandschaft, sowie astrein englisch sprechendes Personal.
So wurde auch gleich ein Transfer vom Flughafen per Mail organisiert und Fahrer Roman ließ uns an einem Sowjet-Monument nahe der Autobahn noch schnell Fotos schießen, ehe es in die von Plattenbauten geprägte Hauptstadt ging.
Je weiter man ins städtische Gebiet kam, desto mehr Prunkbauten konnte man sehen und die Stadt machte einen extrem guten, ersten Eindruck.
Im Hotel wurde kurz eingecheckt und dann ging es bei strahlendem Sonnenschein auch schon auf Sightseeingtour.
Direkt beim Ausgang aus dem Hotel fiel uns mal ein Riesenbenefit von Minsk auf: Diese Stadt wimmelt von Parks, Seen und Flüssen!
Wirklich überall gibt es wunderschöne Parkanlagen, die die Einwohner zum entspannen nutzen können, allerdings ohne dabei Bier zu trinken, denn hier gilt striktes Alkoholverbot in der Öffentlichkeit.
Die ersten Eindrücke bestätigten sich beim Stadtbummel und so wurden zahlreiche interessante Bauten (Nationaloper, Staatszirkus, Regierungsgebäude, Dinamo Stadion und und und) abgeklappert.
Das Dinamo Stadion wird aktuell umfassend renoviert, behält aber einige typische Charakterzüge und sieht von außen nicht wie ein öder Neubau aus.
Der Hunger trieb uns in ein landestypisches Restaurant und wir bestellten "Dranicki", Kartoffelpuffer mit Fleisch und Sauce, welche stark gesalzen und mit Preiselbeeren serviert werden. Dazu gab's ein paar Apetizer, bestehend aus Knoblauchbrot, Tartarstangen und Käsekroketten. Definitiv kein Kracher, aber auch absolut genießbar.
Die bisherigen Biersorten waren leider bisher allesamt ein Reinfall und so ging es eben für Atletico - Arsenal auf's Zimmer, da man im Free-TV hier quasi alles an Fussball empfängt, sogar die erste argentinische Liga live!
Dabei planten wir den morgigen Freitag, welcher in Liga 1-3 nur ein Spiel bereithielt, welches uns nicht zusagte und wir daher einen Trip zum Welterbedoppler in Mir und Njaswisch organisierten.
Die Reiseagentur vom Hotel konnte uns im russischen Touribus keinen freien Platz mehr bieten, so dass wir über die Free Walking Tour Website mal anfragten und für einen fairen Preis die ca. Anfang 30-jährige Nataly als Fahrerin gestellt bekamen, welche gutes Englisch sprach und im fetten Lexus vom Schwiegervater vorfuhr.
Auf der Fahrt über die Dörfer, Wälder und Felder von Belarus, ließ ich es mir nicht nehmen ihr einige Infos über das Land zu entlocken.
Zunächst mal waren wir mit dem sonnigen Wetter um die 30 Grad "lucky guys", da es im vergangenen Jahr um diese Zeit noch geschneit hat.
Nataly erzählte aber auch, dass einige Menschen nicht glücklich über den Bau der vielen aus ihrer Sicht unnötigen Gebäude von Präsident Lukaschenka sind und es als absolute Geldverschwendung ansehen.
Der anstehende 9. Mai war schon präsent in der Stadt, an dem auch Belarus den Tag des Sieges über die Wehrmacht 1945 feiert.
Laut Nataly ein sinnvoller und guter Feiertag, die Verherrlichung von Stalin gefällt ihr jedoch überhaupt nicht und auch die Zerstörung der Straßen durch Panzer, während der Parade missfällt ihr total.
Nataly ist aber auch eine extrem weltoffene Person und die Frage ob das hier wohl viele Menschen genau so sehen, darf gestellt werden.
Der Kulturtag war auf die Schlösser von Njaswisch und Mir gesplittet, welche beide den Status UNESCO Weltkulturerbe haben und lediglich 40km auseinander liegen.
Um es etwas abzukürzen: Beide Schlösser sind definitiv sehenswert und haben den Status zu Recht erhalten.
Mir hat uns etwas besser gefallen, da es mehr von einer mittelalterlichen Burg hatte, während Njaswisch mehr auf Protz und Prunk abzielt.
Zurück im Hotel wurde noch der Poolbereich des Hotels geentert und einige Runden im Becken neben dem riesigen Mosaik mit Elementen der roten Armee gedreht.
Hier ticken die Uhren echt noch anders und das Militär, Lenin und Stalin sind omnipräsent.
Im Anschluss ging es noch für Spare Ribs und Burger in die Stadt und auch dem alten KGB-Gebäude wurde ein Besuch abgestattet, wo heute der weißrussische Geheimdienst ansässig ist.
Am Samstag war es dann endlich soweit und der Ball sollte rollen!
Vorher hatten wir aber noch ein To-Do zu erledigen und machten uns auf zum Museum des großen patriotischen Krieges.
Hier wird dem Besucher der 2. Weltkrieg aus Sicht von Belarus näher gebracht und selbstverständlich auch der Sieg dargestellt.
Da ich aus Nachrichten, Schule usw. häufig nur die Sicht aus Polen, Deutschland, Russland, USA usw. kennengelernt habe, war das ein absolut lohnenswerter Ausflug, denn auch hier wurden viele Menschen in Todeslagern von der Wehrmacht ermordet.
Belarus wurde komplett von den Deutschen eingenommen und später von den Russen befreit.
Die Ausstellung stellt die Grausamkeit des Krieges da und mir ging der knapp 2,5 stündige Aufenthalt absolut unter die Haut.
Den Audio-Guide kann man sich aber wie überall schenken, da alles auch auf englisch beschrieben ist.
Nach einem Bier und einem guten Schaschlik im Victory Park machten wir uns mit der günstigen Metro (etwa 20 Cent pro Fahrt) auf den Weg in den südwestlichen Teil von Minsk, wo das klangvolle RCOP-BGU Stadium und der FK Energetyk-BGU beheimatet ist.
Die zweite Liga in Belarus ist für mich eine absolute Unbekannte und auch Infos zu Vereinen daher kaum bis gar nicht vorhanden, was das Ganze aber auch zu einem kleinen Abenteuer macht.
Am Ground angekommen, welcher leicht versteckt hinter einem Krankenhaus liegt und ohne Google Maps kaum zu finden gewesen wäre, wartete auch die erste Überraschung auf uns.
Freier Eintritt, kein Ticket, aber einige Bullen standen neben einem Metalldetektor.
Verhältnisse wie am Flughafen, bei einem Zweitligakick, der gerade mal 150 Zuschauer anzog und fantechnisch quasi bedeutungslos war.
Nachdem wir gefilzt wurden, konnten wir uns zwei der bunten Sitze aussuchen und waren einfach froh hier zu sein und vor Länderpunkt 42 bzw. 33 zu stehen.
Auch wenn Marcel beim anschließenden Kick eine Bewerbung für sleepingingrounds.com abgab, sahen wir einen deutlichen 4:0 Sieg der Gastgeber gegen die aus dem 220km entfernten Orscha angereisten Gäste, welche mit einem 8 köpfigen Mob vor Ort waren.
Die Jungs zogen trotz der geringen Anzahl konsequent über das ganze Spiel ihren Stiefel durch und waren gut vernehmbar auf der anderen Ecke der Tribüne, welcher den einzigen Ausbau darstellt.
Mit Abpfiff machten wir uns wie wahre Groundhopper sofort aus dem Staub um dem nächsten Kick pünktlich beiwohnen zu können.