Cayor Foot - Jamono Fatick 0:0

Ligue 2 (2. Liga Senegal)

06.01.18

Stade Fodé Wade (2.000)

Zuschauer: 80 (25 Gäste)

   Eintritt: 1.000 CFA (1,52€)



An dieser Stelle erstmal ein frohes neues Jahr von mir! 🍻

Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Jahresstart inkl. Bericht aus dem Nationalstadion des Senegal folgen.
Doch wie es manchmal so ist, hat das Leben andere Pläne und daher gibt's wieder eine ganz neue Geschichte...

Bereits im Sommer 2017 buchten Thomas, Fabse und ich Schnapperflüge mit TAP von Köln über Lissabon nach Dakar.
Der Kontinentalpunkt Afrika, sowie eine für mich komplett neue Kultur machten den Reiz aus.
Wer sich ein wenig mit afrikanischem Lifestyle und Fussball auskennt, weiß dass es hier mit der Terminierung nicht so zugeht wie in den Niederlanden, wo zu Beginn einer Spielzeit gleich der ganze Spielplan veröffentlicht wird.

Im Senegal beginnt die Meisterschaft meist im November und setzt sich über den Jahreswechsel ohne Pause fort, so zumindest in den letzten Jahren.
Im Endeffekt bleibt einem Groundhopper nur Pokern und die Spielpläne der letzten Jahre zu vergleichen um ein ungefähres Bild zu bekommen und das Risiko zu minimieren.

Zwei Tage vor Abflug wurde der Spieltag endlich fix terminiert und die Planungen konnten somit recht kurzfristig begonnen werden.
Letztendlich meinte es der Fussballgott gut mit uns, legte er uns auf Samstag + Sonntag doch je einen Doppler inkl. einem Kick im 60.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion.

Wir drei hielten es mit den weiteren geplanten Aktivitäten also für eine gute Tour und so konnte ich am Freitagnachmittag Fabse zu Hause einsacken um nach Köln zu fahren.
Nicht ohne vorher an der Apotheke zu halten und die sündhaft teuren Malariaprophylaxe-Tabletten abzuholen versteht sich.

Die Rheinmetropole wurde ohne große Probleme erreicht und das Auto bei Thomas abgestellt. Nach kurzer Verpflegung und dem ersten Pils ging es via Carsharing zum Airport.

Im Parkhaus bemerkte Thomas dann eine SMS auf seinem Handy, die er gerade erhalten hatte, Absender: TAP.
Unser Weiterflug von Lissabon nach Dakar wurde 24 Stunden nach hinten verschoben!
Die Laune kippte schlagartig und der Check-In- Schalter wurde kurz vor Ladenschluss noch angesteuert.
Aufgrund der Verspätung unserer Maschine in Köln, würden wir den Anschluss nicht schaffen und müssten am Folgetag fliegen.

Somit war klar: Nationalstadion? Futsch. Doppler am Samstag? Futsch. Ein ganzer Tag im Senegal? Futsch.
Unsere Smartphones glühten nun, die Hotline von TAP, das europäische Fluggastrecht und skyscanner wurden bemüht.

Schnell kam die Einigung, dass wir erstmal nach Lissabon fliegen, dort mit TAP das weitere Vorgehen besprechen und die Airline finanziell bluten lassen. Die Dollarzeichen leuchteten in unseren Augen nachdem der erste Frust über die verpassten Spiele überwunden war.
Mit über einer Stunde Verspätung hob der rot-grüne Vogel dann auch mal ab und mit Vino vom Bordpersonal konnte man ganz gut wegpennen.
Pünktlich zum Überflug von Paris wachte ich auf und konnte den genialen Blick über die Stadt genießen.

Thomas hatte in der Zwischenzeit die gesamten Fluggastrechte studiert und uns winkten wohl 600€ Entschädigung p.P., sowie Hotel und Verpflegung.
Na bitte! 😉 #danketap

In Lissabon gelandet wurde mit zahlreichen anderen Reisenden der TAP-Schalter angesteuert und nach kurzer Diskussion hatten wir unsere Vouchers für 3 Einzelzimmer im 5* Bunker in den Händen. #danketap

Bei einem weiteren TAP-Schalter wollten wir nal gucken was die uns bei dem drohenden 600€ Bonus denn so bar anbieten.
Der Mitarbeiter erklärte klar die Firmenstrategie und dass man es als großes Unternehmen den Kunden so schwer wie möglich machen möchte den Schadensersatz einzutreiben. Das das Vorgehen gegen europäisches Recht ist, schien ihn auch nicht sonderlich zu jucken...
Schlimmer als uns ging es dabei einem deutschen Pärchen, welches das gleiche Ziel hatte wie wir.
Die beiden bekamen nicht den direkten Weiterflug von Lissabon sondern wurden beide getrennt in unterschiedliche Maschinen verfrachtet.
Während er über Casablanca in den Senegal fliegen sollte, durfte sich seine Freundin über
2 Stops in Toulouse und Paris freuen.
Was eine völlig beknackte Route! Einfach mal wieder 2x in die entgegengesetzte Richtung um dann wieder runter zu eiern...
Hätte TAP das bei uns probiert, hätten wir wohl auf den Rückflug nach Köln bestanden...

Mit unserem gratis Taxi ging es schnell ins Olaias Park Hotel um bei einem Freibier und Ham&Cheese Sandwiches den ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen. #danketap

Am nächsten War wurden wir von der Sonne und einem tollen Blick auf's Meer geweckt und beim Frühstücksbuffet (natürlich auch gratis) wurde der Tagesplan besprochen.

Da es sowieso erst am Abend nach Dakar gehen sollte, blieb Zeit um noch ein Spiel zu schauen, was bei der beschissenen Terminierung der Profiligen in Lissabon und Umgebung leider nicht ganz so einfach war...

Da Soccerway aber für Portugal gut aufgestellt ist, wurde schnell ein Jugendspiel als Ziel für den Nachmittag ausgerufen.

Mit dem über Mytaxi bestellten Gefährt wurde der Vorort erreicht und der Satz: "Haste Scheiße am Fuß haste Scheiße am Fuß." passt hier besser denn je.
Der Platz war verwaist, das Spiel fand 20km außerhalb der Stadt statt, LP Portugal somit zunächst auf Februar verschoben.
Der Frust war jetzt natürlich groß und ein 20er Pack Sagres sollte im Hotelzimmer Abhilfe schaffen.
Bei ein wenig Suff und dem Rollhockey-Derby zwischen Benfica und Sporting im TV wurde die Zeit bis Abflug vertrieben.
Die Ultras Juvenide Leonina waren mit aktivem Support bei diesem abstrusen Sport jedenfalls voll bei der Sache.

Nun also ein weiteres Mal #danketap und mit dem gratis Taxi zurück zum Flughafen, wo wir auch noch drei 12€-Vouchers für Junk-Food ausgeben konnten.
Auf dem Flug von Lissabon nach Dakar tat TAP (Take another plane) sich erneut keinen Gefallen und "glänzte" mit miserablen Service ohne Whiskey (ausschließlich in der Business Class) und mit 30! Dosen Bier für ca. 100 Passagiere an Board.
Schnell saßen wir auf dem Trockenen und Thomas klärte den Chef-Steward über unser Problem auf.
Fortan blinkte das Service-Lämpchen über unserer Dreierreihe ununterbrochen und einige Becher Weißwein pur (Thomas), Weißwein und Sprite (Fabse) und Cola (Ich hasse Wein...) wurden serviert.
Unterbrochen wurde der Spaß dann vom Landeanflug auf die nur zweitgrößte Stadt (1,14 Mio) nach Pikine (1,17) des Senegal.
Mit einem "Leckt mich am Arsch!" marschierte Thomas an der Crew vorbei und Fabse und Ich betraten erstmals schwarzafrikanischen Boden.

Diese Unerfahrenheit zeigte sich dann auch direkt bei der Einreise...
Während Afrikaprofi Thomas seinen Reise- und Impfpass den Grenzern routiniert präsentierte, wurde der Zweitgenannte für die beiden Anfänger zum Verhängnis.
Der Staatsdiener wollte uns ernsthaft glaubhaft machen, dass wir eine Gelbfieberimpfung benötigten.
Blöd nur, wenn das auswärtige Amt diese nur bei Einreise aus einem gefährdeten Land vorschreibt, welches weder Deutschland noch Portugal ist.
Nach langer Diskussion "Internet-information is not up-to-date." "Internet is bad." "You have to go to senegalese embassy in germany" und weiterem Bla-Bla des schwarz gekleideten Schurken, fiel ihm plötzlich ein, dass 50€ p.P. eine Gelbfieberimpfung akut ersetzen könnten.
F*ck dich doch du korrupter Scheißbulle!
Wir taten mal auf dumm und zückten von unserem Bargeld nur 20€ mit dem Hinweis, dass wir nicht mehr als das haben.
Reichte dem Fettsack hinter Glas aus und auch Fabse und ich konnten endlich rein ins Abenteuer Afrika.
Hinter der Sicherheitskontrolle wartete auch bereits der im Vorfeld von mir gebuchte Fahrer. Die Kommunikation mit dem Hotel Phenix Somone klappte somit trotz grauenhafter Englischkenntnisse des Personals und nachdem Geld und SIM-Karte eingesteckt waren ging es über zum Teil erstaunlich gut ausgebaute Straßen Richtung Unterkunft.
Das liegt wohl am brandneuen Airport Blaise Diagne, der vor gerade mal einem Monat eröffnet wurde und den alten im Zentrum von Dakar gelegenen Flughafen ablöst.
Von hier sinds dann auch nur 30km bis in den Ferienort nahe Saly de Portudal, wo wir die nächsten 2 Nächte pennen würden.
Mitten in der Nacht öffnete der Security-Chef die Pforten und wir betraten ein fettes Apartment, welches anscheinend frisch gestrichen wurde, warum findet ihr noch raus.
Der Hotelslogan gegen Drogen, Prostitution und Pädophile betraf uns als Fussballreisende nicht unmittelbar 😁
Hundemüde klappten die Augen schnell zu und der neue/alte Tag begann gegen 09:30 am Folgetag. Das Phenix Somone erhält von uns eine klare Empfehlung, es ist modern eingerichtet, preiswert (65€/Nacht für 2 Schlafzimmer und 2 Badezimmer) und hat einen Pool, sowie den direkten Zugang zum Meer.
Nach gutem Frühstück mit Baguette, Croissants und Pain de Chocolat ging es erstmal an den Strand und ab ins kühle Nass.
Bei gemäßigten Temperaturen um die 25 Grad war es echt auszuhalten, der erste Sonnenbrand aber ebenfalls safe.
Nach einem kleinen Spaziergang vorbei an den vielen Hotels wurde auch schon das Mittagessen geprüft, welches mit Rinderfilet und Nudeln ebenfalls astrein schmeckte.
Bei den Planungen für den Doppler am Nachmittag half dann eine Frau aus Bayern mit guten Französischkenntnissen aus, da hier wirklich kaum Englisch gesprochen wird. Ein bisschen Schulfranzösisch und sicheres Verständigen mit Händen und Füßen helfen daher ungemein.
Gegen 15:30 stand dann unser Fahrer Abdullay bereit, welcher über die nächsten beiden Tagen quasi der vierte Mitreisende wurde. Bereit waren wir allerdings noch nicht, da Thomas mir den Zimmerschlüssel zuwerfen wollte und ihn dabei auf das Dach unseres Apartments katapultierte. Nachdem 4 Leute + Leiter das Teil wieder einsammelten, konnte es dann auch endlich los gehen. Ein Bild für die Götter 😁

Erstes Ziel der Tour: Das Stade Fodé Wade im Touriort Saly.
Hier zaubern normalerweise die Diambars in der Ligue 1, wobei wir heute mit dem Zweitligakracher von Cayor Foot den LP einfahren wollten.
Damit also das erste Spiel im Senegal, wobei dieses Land auch mein erstes Fussballspiel im TV überhaupt maßgeblich prägte.
Manche erinnern sich bestimmt an das Eröffnungsspiel der WM 2002, wo der krasse Außenseiter den amtierenden Weltmeister aus Frankreich durch ein Tor von Papa Bouba Diop schlug und später bis ins Viertelfinale kam.
Doch davon sind wir hier im Wüstensand so weit entfernt, wie der SC Paderborn von einer guten Fanszene.
Die Löwen von Tiranga (Spitzname der Nationalelf) belegen zwar aktuell den 23. Rang der Sinnlos-Cola-Weltrangliste, haben aber keinen einzigen Nationalspieler, der in der heimischen Liga aktiv ist.
Das sieht man spätestens an der Qualität des Kicks hier, der folgerichtig 0:0 endet. Da kann man wie ein Kollege neben uns auch in der Halbzeit entspannt auf dem Kunstrasenplatz seinen Gebetsteppich ausrollen um der religiösen Pflicht nachzukommen.
Die Stimmung war gut geladen, da die Anhänger beider Teams direkt nebeneinander saßen und sich gut bepöbelten. Alles aber im freundschaftlichen Rahmen, so dass man nie das Gefühl einer Eskalation der Situation hatte.
Tickets gibt's direkt neben dem Eingang des 6! Plätze fassenden Sportareals für 1.000 Franc, so dass wir Abdullay zu diesem einmaligen Erlebnis natürlich einluden.
Der Ground kann mit 3 Tribünen mehr als erwartet, ist aber natürlich kein Kracher, was ich vom Dach des Klubhauses bestens überblicken konnte.
Egal, Kontinentalpunkt 3 war eingefahren und Länderpunkt 37 ebenso.
Also auf zum Dessert, welches in diesem Fall eher das Hauptgericht darstellt: Spiel 2 folgt...