AVC Heracles - VV Langeveen 0:2

Zondag 5e klasse A (10. Liga Niederlande)

18.11.18

Sportpark Bornsestraat (2.000)

Zuschauer: 150

      Eintritt: frei



Bekomme ich bei FC Utrecht gegen den FC Emmen Karten nur mit einer Clubcard?!

Jeder kennt sie, diese nervigen Fragen in diversen Social-Media-Foren, die man wirklich innerhalb von zwei Minuten ergooglen kann. Wenn dann noch die Vereinshomepage nicht in deutsch, sondern nur in dieser quasi unmöglich lesbaren Sprache niederländisch ist, ist beim hoppinginteressierten Nachwuchsultra sowieso alles vorbei.

Das wird hier aber kein Ratgeber für die Eredivisie, sondern ein ganz tiefer Tauchgang in die unterste Liga des hiesigen Ligensystems für 1. Herrenmannschaften, die man weder bei Soccerway oder gar in der Groundhopping-App finden kann. Braucht man auch gar nicht, denn mit hollandsevelden.nl und voetbal.nl (nur mit Registrierung) gibt es zwei hervorragende Seiten zur Amateurspielsuche, wobei voetbal.nl wirklich die eierlegende Wollmilchsau ist. Man bekommt jeden Verein über die Suchfunktion und kann per Filter auch nur auf Spiele auf dem Hauptplatz begrenzen. Für mich ist die Zuverlässigkeit der Platzangabe und die generelle Bedienung der klare Vorteil gegenüber dem deutschen Ableger Fussball.de

Was will man jetzt aber in der 10. niederländischen Liga? Nun ja, abseits von Technobunkern, welche lieblos meist an der Autobahn stehen, bietet der Amateurfussball eben noch richtige Leckerbissen.

Mein heutiges Programm enthielt einen Besuch beim AVC Heracles in Almelo und nein das ist nicht der Erstligaverein mit dem seelenlosen Ground, sondern ein eigenständiger Amateurclub unweit des Erstligastadions. Bis 1999 spielte der heutige Profiverein aber noch an der Bornsestraat ehe das neue Stadion im September 99 eröffnet wurde. Hierbei wurde das gesamte alte Stadion abgerissen, allerdings durfte dank einer Stiftung die monumentale Holztribüne aus dem Jahr 1925 bestehen bleiben und wurde in das Areal des Amateurvereins Almelose Voetbal Club (kurz AVC) Heracles integriert. Seit 2011 darf sich die Tribüne sogar offiziell "Rijksmonument" nennen und steht unter Denkmalschutz. In den Niederlanden ist das etwas Besonderes, denn eigentlich werden kaum Gebäude, die vor 1940 gebaut wurden in diesen Stand erhoben. Es gibt im gesamten Land nur ein weiteres Sportdenkmal, das Olypiastadion in Amsterdam, welches aber im Gegensatz zur Bornsestraat keinen regelmäßigen Ligabetrieb bietet. Vor jeder neuen Saison gibt sich außerdem die Profimannschaft von Heracles zum ersten Testspiel die Ehre und spielt gegen die Amateurmannschaft vor der alten Tribüne. Der AVC Heracles wurde 1902 gegründet, begann aber unter dem Namen "Hollandia", fusionierte im Folgejahr mit einem Partnerverein zum Club "Hercules". Um am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen musste man den Namen dann jedoch in "Heracles" anpassen, da es bereits in Enschede ein Team mit dem vorherigen Namen gab. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man dank dem Textilbaron ten Cate einen englischen Trainer (damals ein Erfolgsgarant) verpflichten und gewann 1927 den Landesmeistertitel in einer Liga mit Teams wie Ajax Amsterdam, Feijenoord, Velocitas (Groningen) und NAC Breda. Die heute von mir besuchte wunderschöne Holztribüne erlebte diesen Meistertitel bereits mit. Nachdem man 1971 mit Twente Enschede fusionieren wollte, der Deal jedoch platzte, wurde die Amateurmannschaft vom Profiverein abgespalten. Doch wie auch heute Ultras sich von einem neu grgründeten Verein abwenden, sank das Zuschauerinteresse auch in Almelo dratisch auf die Hälfte. Die Leute wollten ihren Verein sehen, denn die 70-jährige Geschichte war beim AVC Heracles verankert. Und somit wurde der Amateurverein, den ich heute ebenfalls sah wieder in der tiefsten Klasse angemeldet und die Fans akzeptierten, dass es fortan zwei Heracles geben sollte, einen für den Profisport und einen für die Basis. Die Atmosphäre am sonnigen Sonntag in Almelo heute dann auch eher mein Ding, als in der tristen Arena (alter Hut) die Straße runter. Die klassische Kantine samt Fritteuse und Theke war natürlich vorhanden und auch voll mit Zuschauern, aber auch mit Pokalen und Erinnerungen. Der Sportpark hat ansonsten eben genau ein Highlight und das ist diese Holztribüne, die einen jeden Groundhopper sabbern lässt und einfach ein gewaltiges Stück Geschichte repräsentiert. Nur eine Autostunde von meiner Haustür entfernt konnte ich kaum glauben, dass ich dieses Teil noch nicht in meiner Liste kreuzen konnte und bin umso glücklicher nun hier gewesen zu sein. Durch den Denkmalschutz wird die Tribüne aber wohl noch auf unbestimmte Zeit stehen bleiben und somit braucht man keine Angst haben, dass diese bald abgerissen wird. Für den Winter wurde allerdings nebenan ein Kunstrasen verlegt auf den eventuell ausgewichen wird. Aber zur Sicherheit habt ihr ja jetzt gelernt wie und wo man das vorher prüft ;-)

Tot ziens!