AS Roma - FC Viktoria Plzeň 5:0 (2:0)

Champions League - Gruppenphase

20.10.18

Stadio Olimpico (72.698)

Zuschauer: 41.243 (250 Klobasafreunde)

      Eintritt: 35€



Nach dem ernüchternden Vortag ging es halbwegs zeitig aus der Kiste und das verpasste Sightseeing wurde nachgeholt. Tatsächlich grüßte jetzt die Sonne und ich nahm die Chance wahr und spazierte über den Markt auf dem Piazza delle Erbe, trank einen Espresso und aß mein Lieblingspanini: Salsiccia Picante. Auch zum Prato della Valle wurde noch ein kurzer Abstecher gemacht, den genialen Palazzo Bo, der die Universität Padovas beherbergt konnte ich mir bereits gestern etwas ansehen. Trotzdem gibt es hier mit dem ältesten Botanischen Garten der Welt noch ein Welterbe und generell ist Padova so genial, dass ich auf jeden Fall wiederkommen werde. (Der Ground fehlt ja schließlich auch noch...)
Mit dem Zug und der damit meist teureren und bequemeren Alternative ging es nun Richtung Capitale. Wenn man sich die Preise zwischen dem Zugverkehr und dem top ausgebauten Ryanairnetz anschaut, heißt zumindest preislich der Sieger hier meistens O'Leary.
Die Fahrt über Bologna und Firenze ging ohne Probleme vorüber und wie erwartet verließ der Chinamob geschlossen und lautstark in der Toskana den Zug, wie das in der Stadt aussieht, durfte ich ja ebenfalls schon mal kennen lernen 🙂
Am Termini angekommen wurde das Gewusel außerhalb des Bahnhofs ignoriert und drinnen ein Ticket zum Flughafen für den Folgetag erworben, ehe es mit der Metro zur Haltestelle Ottaviano ging.
Auf dem Weg zu meiner AirBnb-Butze bog ich aber nochmal links ab, da der Hunger nun doch presenti war. Im Restaurant "Un Angolo di Sicilia" war es proppenvoll, da gerade Mittagszeit (14 Uhr, der Italiener isst gerne etwas später 🙂) war. Hier aber wirklich kein einziger Touri und da Meeresfrüchte die Spezialität des Ladens sind, gab es hervorragenden Oktopussalat und Pasta mit Schwertfisch.
Kugelrund lief ich die nächsten Meter bis zum Apartment und wurde freundlich von Fulvia und ihrem Sohn empfangen, welche mir unbedingt Tipps geben wollten und völlig perplex waren, dass ich nur für eine Nacht und Fussball hier war.
Natürlich ist das für diese Granatenstadt viel zu wenig, aber wenn man schon 2x für mehrere Tage hier war und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten bereits bestätigt hat, ist das wiederum halb so wild 🙂
Die Lage des Apartments war für meine Abendplanung perfekt, musste ich bis zum Stadio Olimpico doch nur wenige Minuten laufen und ging im Hellen schon mal vorbei.
Die ersten fahrbaren Paninibuden und Verkaufsbuden mit gefälschtem Merchandise wurden bereits aufgebaut und auch die Carabinieri waren bereits vor Ort. Im Gegensatz zu einigen Namensvettern fanden in diesem Olympiastadion auch tatsächlich im Jahr 1960 die Sommerspiele statt. Ursprünglich war es bereits für die Spiele 1940 vorgesehen, man zog die Bewerbung jedoch zurück und die Spiele fanden im Endeffekt aus bekannten Gründen überhaupt nicht statt. Seit 1953 spielen die beiden größten Vereine Lazio und AS ihre Heimspiele im Olimpico, wobei mein heutiger Zielverein plant den ungeliebten Mitbewohner zu verlassen und ein eigenes Stadion zu bauen.
Über die Ponte Milvio ging es nun durch den Stadtteil Flaminio und vorbei am gleichnamigen 32.000er Ground, welcher derbe runtergekommen und leider nicht betretbar war. Eigentlich wollte ich mir den typischen Tourirummel diesmal gar nicht geben, am Ende war ich dann doch wieder am Piazza del Popolo, der spanischen Treppe, dem Pantheon usw. Rom ist einfach ne geile Stadt, jedes Mal wieder den Besuch wert und dürfte weltweit zu den historisch bedeutendsten Metropolen zählen.
Kurz bei Papa Francesco am Petersdom vorbei und dann wieder in die AirBnb-Butze, kurz duschen, ne Cola zischen und wieder raus Richtung Calcio!
Die Straßen zum Spielort waren nun kaum wiederzuerkennen und das Verkehrschaos im vollen Gange. Die Paninistände und Birrabuden waren bevölkert und auch ich nahm noch ein kühles Moretti ein und schaute dem Treiben auf der Straße zu.
Mit meiner vorher auf der Vereinsseite für 35€ erworbenen Karte für die Curva Nord ging es dann durch 3 Sicherheitskontrollen rein in die gute Stube. Mit Tickets dürfte man bei der Monsterkapazität wohl so gut wie nie Probleme haben und in der Innenstadt fuhren sogar noch junge Signoras auf Segways in Roma-Klamotten auf und ab um Bigliettis an die Tourischweine zu verkaufen.
Im Endeffekt gehen die knapp über 40.000 Tifosi aber in Ordnung, gerade wenn man gegen einen Bumsgegner wie Plzeň spielt.
Im Gästeblock fanden sich dann auch nur etwa 250 Klobasafreunde ein, welche ich am Nachmittag auch bereits in der Stadt beim Sightseeing gesehen hatte. Kurz vor dem Einlaufen erklang dann das berühmte "Roma, Roma, Roma." welches ich ziemlich genial finde und bei der Champions-League-Hymne hatte ich dann endgültig Gänsehaut als das gesamte Stadion ein extrem lautes "Theee Champiiooons!" in den Römer Abendhimmel schickte.
Die Curva Sud von Beginn an also top motiviert nach dem Sieg am Samstag im Derby della Capitale gegen Erzfeind Lazio und in der 3. Minuten sorgte Edin Džeko bereits für das 1:0.
Was nun folgte war ein klarer Sieg auf und nebem dem Platz, Džeko sorgte für den ersten Hattrick eines Spielers in der gesamten Champions-League-Geschichte der Roma.
Den mitgereisten Tschechen knallte immer mal wieder ein kurzes "Pilsen, Pilsen, Vaffanculo!" der Curva Nord entgegen, wobei hier fast 50% Touristen saßen und die Curva Sud die Gäste sogar komplett ignorierte. Generell gefiel mir die Curva Sud gut, viel Tifo-Material, große Schwenker im 90 Minuten Einsatz, klassisch Ultra, klassisch Italien. Nach Abpfiff wurde die Mannschaft berechtigterweise gefeiert und ich gönnte mir auf dem Rückweg noch ein Gute-Nacht-Birra und fiel gegen Mitternacht ins Bett. Rom war mal wieder eine Reise wert, umso besser, dass es beim dritten Mal endlich auch mit Fussball geklappt hat.