1. FC Union Berlin - BSG Wismut Aue 0:0

2. Bundesliga

11.03.18

Stadion an der alten Försterei (22.012)

Zuschauer: 21.788 (~2.250 away)

   Eintritt: 16€



Ein UNESCO Weltkulturerbe hat bestimmt jeder von euch sogenannten Fussballfans schon mal weggescheppert. Aber habt ihr auch schon mal IN einem gepennt?!
Das geht recht einfach und zwar im UNESCO Welterbe Siedlungen der Berliner Moderne. Architektonische Kracher verteilen sich über die gesamte Metropole und die Frage ob der Gutachter der Organisation an diesem Tag im Jahr 2008 lattenstramm einfach die Freigabe hierfür erteilte, ist durchaus berechtigt.
Naja, Ground ist Ground (oder Welterbe ist Welterbe).
Das Zimmer im Stadtteil Reinickendorf führte mit 18€ auch nicht zur Privatinsolvenz und bot neben einem Flachbildfernseher auch ein verstellbares Bett. Dass hier vergangene Gäste ein Frühstück erwarteten, oder aufgrund der Nähe zum Flughafen Tegel buchten und sich dann über Fluglärm beschwerten, ist schon allerfeinste Comedy.
Den Vogel schoss aber ein Chinäse ab, der es schaffte sich in der Wohnung einzuschließen und erst nach einem einstündigen Videochat wieder frei kam. Junge, Junge so viele Hunde kannst du gar nicht essen, dass dir dermaßen die Hirnmasse wegbrennt...
Nach exakt 3 Fotos dieser spektakulären Übernachtungsmöglichkeit, schrieb mir ein Bekannter vollkommen begeistert, dass er seine Hemden zur Reinigung in ein UNESCO Welterbe bringt.
Tja, die Brückengänger verteilen Wissen über den ganzen Globus und eine KIKA-Sendung ist bereits in Arbeit, also freut euch Kinder!
Teil 2 des fußballerischen Festakts stand heute an, wobei ich bei der Begegnung sogar echt ein paar Erwartungen hatte.
Zunächst sollte aber gefrühstückt werden und die romantische Kulisse von Reichstag und Brandenburger Tor wurde hiervon Zeuge.
Ließ sich bei Sonnenstrahlen und knapp 15 Grad auch durchaus aushalten, bis der Chinamob über die Sehenswürdigkeiten zog, wie eine Smogwolke über Peking.
Also Zeit Richtung alte Försterei abzudampfen und das liebe Freunde der Orientierung ist gar nicht so leicht.
Im Gegensatz zum Tourihotspot Olympiastadion liegt die alte Försterei nämlich noch 45 Minuten außerhalb des Zentrums.
Ich entschied mich für eine Anreise mit S-Bahn und Tram, was bis zur Haltestelle Schöneweide auch bestens klappte.
Hier warteten auch bereits einige Unioner, so weit so gut...
Blöd nur wenn die 60 Richtung Stadion erst ausfällt und dann so überfüllt ist, dass nichtmal die berühmten Presserjungs der Metro in Tokio hier auch nur einen Spargeltarzan reinbekämen.
Hier versagt dann auch mein Onkel Google und die gute alte Taktik "dem Schwarm hinterher" kam wieder zum tragen.
Irgendwelche Ostklopper werden es schon wissen...
Und so war es auch, eine halbe Stunde vor Anpiff wurde durch den Wald der Ground erreicht.
Ein wirkliches Schmuckstück, welches sicher zu den besten Stadien der ganzen Bundesrepublik zählen dürfte. Einzig das Prädikat "verkehrsgünstig gelegen" dürfte hier eher falsch angebracht sein.
Für faire 16 Taler ging es in Sektor 3 gegenüber der einzigen! Sitzplatztribüne. Einer der Gründe warum ich das Teil so geil finde! Nahezu beispiellos im deutschen Profifussball lässt die Bauart Erinnerungen an die alte Nord wiederaufleben und das Fussballherz höher schlagen.
Bei meiner Ankunft war die Bude schon mächtig voll und ich zwängte mich irgendwie noch vorne rein, kurz bevor die teilweise per Buskonvoi angereisten Sachsen ihre Choreo präsentierten. Darauf waren zwei Kumpel zu sehen und in der Mitte "Glück auf!" Dazu wurden viele kleine Zettel mit derselben Botschaft gezeigt. Dazu natürlich die geilste Farbenkombi der Welt, an dieser Stelle kurze Erinnerung: Lila-weiss ist nur der VfL!
Der Gästeblock also pickepackevoll und gleich zu Beginn gut aufgelegt.
Die Waldseite um die Ultras des Wuhlesyndikats wussten die Stehplatzdichte zu nutzen und nahmen häufig das ganze Stadion mit. Schon ein geiles Gefühl, wobei hier wieder die These von gestern greift. Hätte ich gestern Union im Olympiastadion und heute Hertha an der alten Försterei gesehen, wäre es wieder umgekehrt. Wird also dringend Zeit, dass die blau-weissen ihr eigenes Fussballstadion bauen und aus der überdimensionierten Schüssel ausziehen.
Auf dem Rasen, (im Osten) nix Neues, das Spiel aber etwas ansehnlicher als der Gruselkick vom Vortag.
Das kompletteste Fussballerlebnis von den größeren Clubs (Hertha, Union, BFC, TeBe) hatte ich nun also bei Union. Das hier ist genau der Fussball, wie ich ihn liebe und wäre ick een Berliner, würde ick zu Union jehn.
Die Berliner Schnauze passt für mich einfach perfekt zum pöbeln im Stadion, optimaler Slang dafür.
Nach dem Kick, wurde die Heimelf von den Fans ausgepfiffen, was laut mehreren Aussagen wohl lange nicht passiert sein soll.
Aber auch in Köpenick wachsen die Ansprüche, hoffen wir mal, dass der Anspruch des Publikums nicht zu groß wird und die Frage "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?" auch weiterhin mit "Eisern Union!" beantwortet werden kann.
Für mich gab's als Stärkung in der City noch ne Currywurst und dann verbrachte ich die Restzeit bis zur Zugabfahrt mit Bier trinken an der Spree bei bestem Frühlingswetter.

Tore sind eben manchmal nicht alles, aber nächstes Wochenende würde ich gegen die Brieftauben dann doch wieder gerne so 1-5 unseres VfL davon sehen.

Bis dahin, ick bin raus, bis denne meene Juten!