1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:0)

Bundesliga

28.10.18

Max-Morlock-Stadion (50.000)

Zuschauer: 42.154 (5.000 Gäste)

      Eintritt: 35€



Nur schnell rübergelaufen und schon wird das Hauptgericht serviert. Nach Einsatz der Nürnberger Fanszene heißt das zehntgrößte aktiv bespielte Fussballstadion Deutschlands jetzt Max-Morlock-Stadion, nach der bekannten FCN-Sturmlegende, die maßgeblich an Deutschlands WM-Sieg 1954 beteiligt war. Für 35€ darf ich den letzten fehlenden BuLi-Ground dann auch endlich betreten und nehme auf der Gegengerade zwischen Heim- und Gästeblock Platz. Noch kurz ein Pläuschchen mit zwei Thüringer Eishockeyfans auf den Plätzen neben mir und auch sonst ist mein Block komplett durchmischt. Die offiziell 5.000 mitgereisten Frankfurter sind bestimmt noch ein paar mehr, wenn man sie tatsächlich alle zählen würde und auch das Gesamtinteresse übersteigt erstmalig in dieser Saison die 40.000er Marke. Auch wenn der FCN ein Publikumsmagnet ist und natürlich ein absoluter Traditionsverein, bekommen sie die Bude hier einfach nicht voll, schade.

Ich denke die Historie des Stadions sollte bekannt sein, ich fasse sie trotzdem kurz zusammen: 1928 auf dem späteren Gelände des Reichsparteitags errichtet, fand hier bereits 1929 das Endspiel um die deutsche Meisterschaft statt. Ironischerweise konnte die SpVgg Fürth hier gegen Hertha BSC den Titel holen, wobei die Berliner zuvor den FCN ausgeschaltet hatten. Nebenan sollte unter den Nationalsozialisten das monumentale "Deutsche Stadion" entstehen, aus bekannten Gründen kam es dazu aber nicht ;-)

Von 1945 bis 1961 wurde das Stadion von US-Truppen zu Baseballspielen und eher selten für Fussball genutzt, ehe 1963 der 1. FC Nürnberg hier einzog. Ab 1987 wurde das Frankenstadion auch aufgrund der Katastrophe von Heysel stark renoviert und 1991 wiedereröffnet. Hierbei stürzte die 1928 erbaute Haupttribüne ein, die eigentlich Bestandtteil bleiben sollte und heute vermutlich jedes Hopperherz noch höher schlagen lassen würde. Weitere Umbauarbeiten gab es dann nach der Jahrtausendwende, unter anderem für die Weltmeisterschaft 2006. Auch über den 1. FCN brauche ich nicht viele Worte verlieren, 9 deutsche Meisterschaften und 4 Pokalsiege sprechen für sich. Wobei 5 von 9 Meistertiteln in den brutal starken 20er Jahren geholt wurden, wobei besonders der erste Titel heraussticht, wobei man den Erzrivalen aus Fürth 2:0 bezwang. Die glorreichen Zeiten sind lange vorbei, der FCN ist mir eher als Fahrstuhlmannschaft bekannt und die größte Legende die mir sofort in den Sinn kommt heißt Marek Mintal.

Dennoch war ich natürlich neugierig, wie die Nordkurve zu Hause aufgelegt ist und mit dem Gast aus FFM hatte ich wohl nicht das schlechteste Spiel erwischt. Beide Seiten ergaben wohl auch aufgrund des Wetters ein schwarzes Meer, welches einem The North Face Outlet Store gleichkam und legten zu Beginn los wie die Feuerwehr. Spätestens nach der verlorenen Relegation ist der Hass auf die Eintracht hier groß und das spürte ich von der ersten Minute. UN94 mit Unterstützung der Freunde aus Brescia und einem großen Freundschaftsschwenker "Brüder - Fratelli". UF97 mit Unterstützung aus Mannheim und einer starken Hüpfeinlage mit dem Rücken zum Spielfeld gleich zu Beginn. UN94 und BDA hauten heute ein ganzes Spruchbandfeuerwerk raus, DFB, Bayern und die Polizei werden sich gefreut haben :-)

Auf dem Platz eine klar bessere Mannschaft aus Nürnberg, die sich erst spät belohnte und noch später wieder selbst bestrafte und mit dem Punktgewinn nicht zufrieden sein kann. Auf den Rängen darf man das durchaus, waren die Franken für mich heute über weite Strecken überlegen, habe ich gegen FFM auch noch nicht oft erlebt. In meinem Kopf bimmelt es immer noch:

"Seht ihr die Fahnen wehen

Wir wollen euch siegen sehen

Alle im Stadion singen im Chor

Treiben die Mannschaft bis zum Tor"

Zufrieden mit meinem Komplettierungsspiel ging es rasch zum S-Bahnhof und über den Nürnberger Hauptbahnhof, welcher in ein Uniformiertenmeer getaucht war zurück nach Bamberg, wo Schönis spanischer Flitzer bereits wartete.