1. FC Heidenheim - 1. FC Magdeburg 3:0 (2:0)

2. Bundesliga

20.10.18

Voith-Arena (15.000)

Zuschauer: 10.450 (1.200 Gäste)

      Eintritt: 24€



Auswärts im Vorort von IKEA in Hellern (umgangssprachlich auch Lotte genannt).
Eines der Spiele, die ich nach dem ersten Aufeinandertreffen in der 3. Liga wirklich nicht mehr sehen muss. Miese Organisation, schlechter Gästeblock und der Fakt, dass jeder Haiopei im Stimmungsblock stehen will, dann aber 90 Minuten sein Maul nicht aufbekommt, machen das Spiel zum Krebsgeschwür der 38er Saison. Da ich vom Allesfahrer-Dasein eh soweit entfernt bin, wie Fiete Sykora von der Torjägerkanone, kann ich damit leben.
Sven hatte glücklicherweise ebenso wenig Bock auf das x-te Heimspiel seiner Königsblauen gegen Werder und somit konnte dem Ziel Profifussballkomplettierung ein bisschen entgegen gekommen werden.
Eine schöne Tagestour mit 11 Stunden im Auto in den Südwesten der Republik war geplant und das Zielspiel des Samstags fand somit in der Alb statt.
Heidenheim war einer dieser Grützen-Grounds, die ich verpasst habe mit dem VfL wegzuscheppern und da die Jungs unter dem langjährigen Coach Frank Schmidt auch eher wenig mit dem Abstieg zu tun haben, wird das in naher Zukunft auch eher schwierig. Seien wir ehrlich: Der Gegner gab heute den Ausschlag diese Mammutstrecke abzuspulen.
Natürlich wurde auch ein kurzer Kulturstopp eingelegt und da ich es in Würzburg neben dem Fussball noch nicht geschafft habe die Stadt anzuschauen, verließen wir eben hier die A7 um ganz nebenbei noch ein UNESCO-Kreuzchen zu setzen.
An der Würzburger Residenz samt Hofgarten wartete zwar kein Mob der Würzburger Experten auf uns, aber die Chinäsen und Rentner waren schon zahlreich mit Selfie-Sticks bewaffnet zugegen.
Schön ist die Residenz mit dem zugehörigen Hofgarten auf jeden Fall, wie auch die restliche Stadt, so dass ein erneuter Besuch nicht ausgeschlossen ist.
Etwa 1,5 Stunden sind es dann noch bis ins 50.000 Einwohner starke Heidenheim an der Brenz in Ostwürttemberg. Für das bedeutendste Bauwerk der Stadt, das Schloss Heilenstein blieb keine Zeit mehr, bzw. sahen wir es von unten ganz gut.
Wir stellten das Auto strategisch günstig für den geplanten Doppler unterhalb des Schlossberges ab um nach Abpfiff direkt wegzukommen.
Bereits auf dem steilen Anstieg zum Stadion stieß einem der vollbärtige Mann mit Zipfelmütze immer wieder ins Auge, welcher das Stadtwappen symbolisiert und von der Fanszene auch auf Aufklebern, Zaunfahnen etc. genutzt wird. Der Heide auf dem Wappen mit rot-blauer Tracht nimmt logischerweise Bezug auf den Namen der Stadt. Der Ortsname wurde von damaligen Alamannen kreiert, die Relikte aus dem römischen Reich vorfanden und  diese als Überbleibsel von "Heiden" sahen und ihr neues "Heim" danach benannten, comprende? 😉
Ein paar Treppenstufen weiter standen wir dann auch vor der 15.000 Tifosi fassenden Voith-Arena, welche den Namen von einer einflussreichen Firma der Stadt erhielt. Die Voith GmbH, ein Maschinenbaukonzern und der Verbandsstoffhersteller Paul Hartmann AG sind für mich ein Beispiel das regionales Sponsoring funktioniert, wo der VfL auf jeden Fall noch etwas Entwicklungspotenzial hat, auch wenn der regionale Sponsorentopf auch in Osnabrück ganz ordentlich ist.
Da der Ursprungsverein, der Heidenheimer SB 2007 anstrebte Regionalliga-Fussball zu spielen (bisher war man nur unterklassig unterwegs) und die bislang ehrenamtlichen Strukturen der anderen Sparten mit dem Linzensierungsverfahren überfordert waren, spaltete sich die Fussball-Abteilung als 1. FC Heidenheim vom Stammverein ab und übernahm Startplatz und Strukturen des HSB.
Mit nun 2 Aufstiegen folgte der Durchmarsch in die 3. Liga und somit das erste Aufeinandertreffen mit dem VfL 2009/2010, wer am Ende aufstieg sollte bekannt sein 😉
8 Jahre später sieht die Welt wieder anders aus und wir haben mit Heidenheim getauscht, die seit 2014 in der 2. Bundesliga spielen, während wir weiter in Liga 3 rumkrebsen.
Die hat der heutige Gastverein im Jahr verlassen und tourt nun mit der großen Anhängerschaft durch die 2. Bundesliga. Da ein starker Gästesupport um Block U zu erwarten, wenn nicht sogar garantiert war, positionierten wir uns in Block D2 auf der Gegengerade unmittelbar neben den Blau-Weißen und kauften die Tickets vorab online.
Vor Spielbeginn machten wir es uns aber noch in der Vereinswirtschaft hinter der Ostkurve bequem und gönnten uns ein Dinkelacker, lecker!
Unser Block war wie erwartet zu 50% in Magdeburger Hand und da weite Teile im Ground leer blieben, hatte der FCH vor enttäuschenden 10.400 Zuschauern ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion.
Bereits beim auch uns in Osnabrück bereits bekannten Einklatschen, zeigten die Maggis erneut was sie für eine brachiale Laustärke erreichen können, wenn alle mitziehen.
Für mich geht der Support aber über einen polnischen Stil hinaus und das Liedgut ist weitesgehend kreativ, textintensiv und so auch nicht überall zu hören. Die Ostkurve des FCH zeigte zum Intro eine kleine Choreo mit hier bereits beschriebenem Vereinswappen und Glitzerfolie, neben den Gruppenfahnen (unter anderem der "Societas", welche die einzige mir bekannte Ultra-Gruppe ist, der nur Frauen angehören.") hing auch ein witziger Fetzen aus Kombination der Logos von Mecces und Burger King.
Bis zum 1:0 kam akustisch von der kleinen Szene, welche Kontakte nach Ahlen pflegt jedoch nichts an, zu laut und nah waren die Gäste an unseren Plätzen. Sportlich glitt dem FCM das Spiel mehr und mehr aus den Händen, alle namhaften Chancen parierte der starke Schlussmann Kevin Müller.
So war auch die Ostkurve in Hälfte 2 häufiger mal zu vernehmen und Heidenheim gewann locker mit 3:0.
Pyro gab es leider auf keiner der beiden Seiten,  das einzig feurige Element stellte somit die mega leckere Feuerwurst vom Grill dar. In Lauftempo, wie zwei Groundhopperveteranen wurde das Auto schnell erreicht und der kurze Weg zu Spiel 2 konnte beginnen.
Heidenheim hat echt nen Bumsground, der einen aber bei der Komplettierung des deutschen Profifussballs nach vorne bringt. Dazu heute ein übermächtiger Gegner auf den Rängen und eine tiptop Stadionbewirtung.