Buducnost Podgorica - Partizan Belgrad 0:0

Champions League Qualifikation Runde 2

18.07.17

Pod Goricom (12.000)

Zuschauer: 9.153 (~ 1.000 away)

 Eintritt: 40€ (Kombi mit Heimtrikot)



Nach der langen Nacht im Zug nach Montenegro, kamen wir mit 4-stündiger Verspätung doch noch in Podgorica an. Der Bahnhof der Hauptstadt wirkt verschlafen, mit knapp 185.000 Einwohnern ist sie kaum größer als Osnabrück. Mit dem Taxi sollte es zur AirBnb-Bude gehen und die These, dass hier jede Fahrt max. 1,50€ kostet, wurde bestätigt. Dank der Hilfsbereitschaft einer jungen Montenegrinerin konnte ich Mirjam unseren Host auch erreichen und das geräumige Apartment wurde betreten. Hier muss sich der Hotelbeauftragte wieder kurz selbst auf die Schulter klopfen, für knapp 20€ p.P. gab es 2 Schlafzimmer, einen Balkon, ein sauberes Bad und das Beste: nur 350m Fußweg zum Stadion. Bevor wir die dringend benötigte Dusche aufsuchten, ging es direkt zum Ground um die Kartenfrage zu klären. Da wir im Vorfeld über Mail und Facebook keine Antwort vom Verein erhielten, musste es eben am Spieltag klappen. Die Polizei zeigte bereits über 5 Stunden vor Anpfiff extreme Präsenz im Stadionumfeld und auch die ersten Varvari streunerten herum. Erster Anlaufpunkt war der Fanshop von Budućnost. Dort auch gleich mal der erste Schock, lt. dem Fitzelchen englisch, was die junge Dame sprach, gab es keinen freien Verkauf mehr. Lediglich mit einem Deal, Heimtrikot + Haupttribünenkarte für 40€ gab es Einlass. Da Marcel und ich sowieso Trikots sammeln, wie andere Briefmarken, machten wir den Deal klar und verzichteten auf den florierenden Schwarzmarkt.
Der Sightseeing-Part in Podgorica gestaltete sich sehr schwierig. Es gibt nämlich einfach nichts zu sehen! Das machte uns neben Airbnb-Host Mirjam auch ein Mitreisender im Zug klar. Der Weg ging somit recht schnell Richtung erster Fleischplatte der Tour. Bereits im Vorfeld hatte ich wieder Restaurants gecheckt und war auf das Pod Volat gestoßen. Wie sich herausstellte, waren die guten Bewertungen gerechtfertigt, denn das Restaurant stellte sich als Stammlokal der Varvari heraus. So wurde eben in mitten von knapp 50 Ultras gespeist, welche uns zwar musterten, aber nicht weiter beachteten. Schließlich war mit Partizan ein deutlich größerer und interessanterer Gegner in der Stadt. Es dauerte auch nicht all zu lange bis das erste Gruppenmitglied unter tosendem Applaus das Lokal mit einem schwarz-weissen Balkenschal betrat. Somit waren bei uns auch letzte Zweifel beseitigt, da im Vorfeld Gerüchte über ein mögliches Gästeverbot entstanden waren. Das Essen schmeckte zumindest Philipp und mir, Fleischplatte für 6,50€ bei 2 Personen, da dürfen auch mal die gehirn- und leberartigen Teile wieder retour gehen. Bevor der hellblaue Mob sich in Bewegung setzte, verließen wir das Pod Volat und machten uns auf zum Apartment um die Trikots anzuziehen und konnten dabei noch die Varvari-Corteo vom Balkon beobachten. Knapp eine Stunde vor Anpfiff machten auch wir uns auf den Weg in Block A und saßen somit nah am Gästeblock, der auch zum Glück bereits ganz gut gefüllt war. Der Heimbereich auf der Nordseite war top beflaggt, wobei besonders die extrem große Varvari 1987 Flagge ins Auge stach. Zum Anpfiff zeigten diese eine Choreo über Nord und Westseite, wobei die Westtribüne komplett mit blau-weißen Folienzetteln ausgestattet wurde und die Heimseite eine große Blockfahne, die Skelettkrieger in den Vereinsfarben zeigte. Auf jeden Fall ein nettes Bild, auch wenn auf Pyro komplett verzichtet wurde. Partizan legte auch akkustisch direkt extrem stark vor, hier wurde, vermutlich auch wegen der krassen Repressionen (Unterrang der Gäste komplett im Bullenkessel) auf optische Akzente verzichtet. Der ständige Wechselgesang "Kosovo?" "Srbija!" war mega laut und auch unsere Tribünenseite antwortete lautstark, was auf gut und gerne 100 Partizanis auf der Hauptribüne hindeutete. Daraufhin begannen die Bullen einzelne Serben rauszuziehen, was in kleinen Handgemengen endete. Ansonsten gab es immer wieder gegenseitige Provokationen, einige abgebrannte Partizan-Schals und konstant gute Lautstärke. Leider war das Spiel den Rängen nicht gewachsen und mit einer Budućnost-Führung wäre die Bude wohl explodiert. Im Endeffekt darf man natürlich nicht enttäuscht über das Gebotene sein, was beide hier abrissen, war schon überragend.
Uns zog es den kurzen Weg zurück zum Apartment und bei einem letzten Bier auf dem Balkon wurde der neue LP noch begossen, ehe es nach fast 48 Stunden auf Achse endlich in die Koje ging.